Schlosspark d'Aertrycke


De Tuin

Die Genter Familie de Potter d'Indoye kaufte ab 1770 mehrere Dutzend Hektar Land, gelegen auf dem höchsten Teil des 'plateau van Wijnendaele' und machte dieses Wald- und Heidegebiet, bekannt als 'De Verloren Cost', urbar. Alleen wurden angepflanzt, die fruchtbarsten Parzellen als Ackerland verpachtet und das restliche Land mit Nadelbäumen aufgeforstet. In einem entlegenen Teil des Geländes baute die Familie im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 'd'Aardenhutte', ein malerisches Jagdhaus im neugotischen Stil.

Kasteelpark d'Aertrycke

1865 übernahm August de Maere den Besitz, ließ ein neugotisches Schloss bauen und einen ausgedehnten Landschaftspark nach den Plänen von Louis Fuchs anlegen, zu jener Zeit einer der renommiertesten Gartenarchitekten Belgiens. Anhand von großen Zierteichen, künstlich erzeugten Reliefs, offenen Wiesen und gezielt angepflanzten Baumgruppen erweckte Fuchs im Park eine Landschaftsillusion.

Die Hinterfront des Schlosses spiegelt sich malerisch in einem großen Teich wider, dessen Seitenarm bis in den Wald reicht. Am Ufer des Teiches wurde ein Bootshaus gebaut, ein kleiner neuklassizistischer Tempel, von wo aus der Besucher eine herrliche Aussicht auf das Schloss und den Park genießen kann.

Zur Anlage des zweiten Teichs, der sich vor dem Schloss befindet, nutzte Fuchs den Mouwbeek. Dieser Bach wurde verbreitert und in ein unregelmäßig geformtes Ziergewässer umgewandelt, das sich durch den Park schlängelt und dann im Wald verschwindet. Am Ufer wurde eine neuklassizistisches 'Badehaus' errichtet. Ursprünglich gab es noch mehr gleichartige Folies (kleine Gartenpavillons) im Park, die leider nicht mehr erhalten sind.

Kasteelpark d'Aertrycke

Im Park wurden viele verschiedene Baumarten gepflanzt, die ein Farbenspiel zeigen, das je nach Jahreszeit wechselt. So findet man unter anderem einen Mammutbaum, einen japanischen Ahorn, Trauerbuchen, Rosskastanien, Edelkastanien, Platanen und Sumpfzypressen. Im angrenzenden Wald wurden geschwungene Spazierwege angelegt.

Mit der Anlage des Parks waren die Bautätigkeiten auf dem Gelände nur vorübergehend beendet. Um 1890 wurde am Ufer des Teichs ein großer Eiskeller errichtet. Die Orangerie datiert von etwa 1900, ungefähr zehn Jahre später wurde der Bauernhof erweitert. Das auffälligste Gebäude aus dieser Periode ist der runde Taubenturm. Es hat den Anschein, als ob Maurice de Maere diesen Turm bauen ließ, um das Prestige des Schlossparks zu erhöhen. Denn zur Zeit des Ancien Régime durfte nur der Adel Taubenpärchen halten, so dass Taubentürme ein Statussymbol waren.

Kasteelpark d'Aertrycke

Eine Pappelallee führt am nördlichen Rand des Waldes vom Schlosspark zur Grabkapelle der Familie de Maere d'Aertrycke. August de Maere ließ die neugotische Kapelle 1896, einige Jahre vor seinem Tod, bauen. Die Kapelle befindet sich auf einem mit Rhododendren bepflanzten Hügel. Nach dem Tod von August de Maere im Jahre 1900 blieben das Schloss und der Landschaftspark weiter im Besitz der Familie.

1990 wurde das Schloss zu einem Restaurant mit Kongresszentrum umgestaltet und ein Teil des Bauernhofs in ein Hotel mit Cafeteria umgebaut. Das Gebiet selbst wird von der Provinzverwaltung Westflanderns verwaltet und ist das ganze Jahr hindurch für die Öffentlichkeit zugänglich.