Kurpark Bad Wildungen     


Ein Park für Körper, Geist und Seele

Bereits seit dem 16. Jahrhundert kamen Brunnengäste nach Wildungen, zunächst meist Adelige, später aus allen Gesellschaftsschichten, darunter stets viel Prominenz. 1818 kurte hier Lotte, die Schwester der Brüder Grimm, begleitet von ihrem Bruder Ludwig Emil. Mit der schnellen Entwicklung des Badelebens Ende des 19. Jahrhunderts entstand westlich der Altstadt Wildungens beidseitig der Brunnenallee das Kurviertel mit seiner repräsentativen Bebauung.

Bad Wildungen

In einer seitlichen Talsenke legte man einen Kurpark an, in dem das bescheidene alte Brunnenhaus der Georg-Viktor-Quelle 1890 durch eine zeittypische Trink- und Wandelhalle aus Gusseisen ersetzt wurde. Der 1929 errichtete Nachfolgebau, eine halbkreisförmige, nobel wirkende Säulenhalle, begrenzt den von Wald umgebenen Park an dieser Stelle noch heute. Hier sind, nach baulichen Eingriffen 2006, das Quellenmuseum sowie der den Wildunger Heilwässern gewidmete „Quellendom“ mit Ausschank von drei Heilquellen untergebracht.

Im gepflegten Park mit großen Rasenflächen und jahreszeitlich wechselndem Blumenflor in den Schmuckrabatten des Hauptwegs fallen die vielfältigen Gehölze aus der Entstehungszeit der Anlage auf, darunter Exoten wie eine japanische Sicheltanne, eine chinesische Großblattpappel, Ginkgo- und Tulpenbaum oder ein Mammutbaum von beachtlicher Größe.

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Der historische Kurpark erstreckt sich bis in den Bereich des Maritim-Badehotels und der alten Konzertmuschel über dem „Fackelteich“. Jenseits der hier verlaufenden Straße beginnt mit der großzügig dimensionierten „Sonnentreppe“ der Übergang zum Gelände der Landesgartenschau von 2006. Der als Treppen- und Rampenanlage mit rahmenden Weißdornhecken und Wechselflorflächen konzipierte Zugang ermöglicht einen Überblick über das unterhalb des Kurviertels verlaufende Tal des Bornebachs, dem durch Renaturierung und Bepflanzung mit einheimischen Gehölzen und Stauden sein ursprüngliches Erscheinungsbild und seine Bedeutung als Lebensraum mit hoher Artenvielfalt wiedergegeben wurde. Der langgestreckte Bereich bietet im Sinne des angestrebten „zeitgemäßen Freizeitparks“ vielerlei Angebote für Kurgäste sowie Besucher jeden Alters. Einige Fußwege stellen die Verbindung zum höhergelegenen Kurviertel her.

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Nahe der Treppe werden verschiedene inhaltliche Aspekte durch gärtnerische Mittel zum Ausdruck gebracht. Während das „Gartenforum“ mit Bauern-, Schatten-, Duft- und Motivgarten Anlagen mit unterschiedlichen Schwerpunkten vorführt, sollen die besonders aufwändig gestalteten „Goldenen Gärten“ an die Glanzzeiten des Badeortes um 1900 erinnern. Sieben große golden geflieste Töpfe an einer Stützmauer sind auf sieben von Liguster- und Hainbuchenhecken eingefasste Salons und Kabinette mit gelbblühenden oder fruchtenden Stauden, Gehölzen und Blumen bezogen. Dort werden die vier menschlichen Eigenschaften der Tugend, der Wollust, der Muße und der Eitelkeit sowie die großen Themen Vergänglichkeit, Ewigkeit und Wiederkehr sinnbildhaft durch spezifische Bepflanzung und Ausstattung dargestellt.

Eine kurze Strecke weiter sind in den wiederum von Hecken eingefassten „Erfahrungsgärten“ die fünf Sinne Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen angesprochen. Hier sollen ausgewählte Materialien und Pflanzen dem Besucher zu Entspannung und Wohlbefinden als wichtigen Bestandteilen der Gesundheit verhelfen. Intensivere Aktivitäten ermöglicht der anschließende mittlere Parkteil mit einer Boulebahn, einem Sportplatz, dem „bunten Spieleland“ und Freizeitgärten sowie einer neuangelegten Streuobstwiese.

Nahe der Mündung des Bornebaches in die Wilde wurde - gemäß der Zielvorgabe zur Schaffung von neuen Durchblicken und -barrierefreien Durchbrüchen - der breite, hohe und intensiv blau gefasste „Quellentunnel“ durch den im 19. Jahrhundert für eine Straßenverbindung angelegten „Riesendamm“ gelegt und so eine großzügige neue Verbindung zum Königsquellenpark geschaffen. Das Gelände unterhalb des Schlossberges von Friedrichstein weitet sich hier zu einer Auenlandschaft, in der ein charakteristisches Feuchtbiotop mit typischem Bruchwald erhalten wurde. Auf einem großen Holzsteg kann der Besucher diesem Stück „Aue pur“ trockenen Fußes nahekommen.

Mit der natürlichen Bachlandschaft kontrastiert die kleine Parkanlage mit geradlinigen Wegen und dem schönen alten Baumbestand um den achteckigen Pavillon über der 1869 entdeckten Königsquelle. Wasser und seine gesundheitlichen wie ästhetischen Qualitäten und Reize kommen auch in dem anlässlich der Gartenschau entstandenen „Aqua-Choros“ am östlichen Eingang zum Königsquellenpark zur Wirkung. Das als Wassertretanlage in Form eines Labyrinths dienende Becken mit vielfältigen Wasserspielen ist von regelmäßigen Rasenflächen und Staudenrabatten umgeben und bildet in diesem Bereich des Parks einen besonderen Akzent. Von den zahlreichen gärtnerischen und ökologisch orientierten Elementen sowie den Kunstobjekten der Gartenschau sind eine Anzahl beibehalten worden.

Text: Gerd Fenner