Bodnant Garden


Der Garten

Bodnant Garden ist eine der bekanntesten Gartenanlagen in Wales. Das großzügige Gelände umfasst rund 32 Hektar. Es liegt oberhalb des Flusses Conwy und bietet eindrucksvolle Blicke auf Snowdonia im Westen. Die Gärten selbst gliedern sich in zwei gleichermaßen eindrucksvolle, aber sehr gegensätzliche Stilrichtungen. In der Nähe des Herrenhauses liegen formal gestaltete Terrassengärten und Rasenflächen, die etwas freier angelegt sind. Weiter unten, am Fuß des Hangs unterhalb der Terrassen, erschließt sich mit "The Dell" eine Landschaft, die man wahrscheinlich eher mit den viktorianischen Ideen des Pittoresken verbinden würde. Im Vergleich zu den Terrassen, ist dieser Bereich deutlich wilder und rauer. Entlang des Tals verläuft der Hiraethlyn, ein Nebenfluss des Conwy.



Die Gärten sind im Laufe mehrerer Generationen von der Familie Aberconway entwickelt worden. Henry, der 2. Lord Aberconway, war davon überzeugt, dass Pflanzen, die im Garten von Bodnant gut gedeihen, großflächig angepflanzt werden müssen. Dies zeigt sich heute vor allem an den weiten Rhododendrenpflanzungen mit vielerlei Varietäten, obwohl hier bis 1905 nur der Rhondodron ponticum vertreten war. Auch Kamelien (Camellia x williamsii) wurden in großen Mengen gesetzt. Im späten Mai blüht der prächtige chilenische Feuerbaum (Embothrium coccineum var. Lanceolatum), dessen leuchtende, scharlachrote Blüten beeindruckend sind. Mit seinen dendrologischen Schätzen ist die Anlage zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Sie bietet auch viele außergewöhnliche Arten, wie die Magnolien (Magnolia wilsonii) und den Duftschneeball (Viburnum bodnantense ‘Dawn’ A.M.), der den Namen Bodnant in die Welt trägt.

Vom Haupteingang aus führt ein breiter Weg zum „East Garden“. Die Beete sind als ansteigende Rabatte mit mehrjährigen Sommerstauden und verschiedenen Sträuchern bepflanzt wie z. B. die Clematis armandii, die an der rückwärtigen Mauer wächst. Im Garten befindet sich ein kleiner kreisrunder Teich, der mit Fingerkraut (Potentilla ‘Elizabeth’) eingefasst ist, das während der Sommermonate blüht.



Wenn man den Garten linker Hand verlässt, führt ein formaler mit jungen Zypressen gesäumter Pfad zur „Front Lawn“, einer Rasenfläche, die vor der Südfront des Hauses liegt. Eine Statue von Priapus, dem Hüter der Gärten und Felder, ist auf diese Hausseite ausgerichtet. Von hier aus gelangt man zur „Upper Rose Terrace“, die wunderbare Ausblicke auf den Conwy und nach Snowdonia ermöglicht. Unterhalb der „Rose Terrace“ liegt die „Croquet Terrace“. Zu ihr gelangt man über eine zweiteilige Treppe, die beiderseits eines französischen Barock-Springbrunnens verläuft. Im Schutz der oberen Mauer gedeiht ein schöner Staudenbestand. Vielfältige Arten stellen sicher, dass der Garten das ganze Jahr schöne Aspekte zu bieten hat.

Der „North Garden“ ist sowohl von der „Rose Terrace“ als auch von der „Croquet Terrace“ aus zugänglich. Hier findet man ein breites Spektrum an Bäumen und Sträuchern, darunter die beiden eindrucksvollen Koniferen Athrotaxis selginoides (Schuppenfichte) und Cupressus sempervirens (Mittelmeerzypresse). Die benachbarte „Lily Terrace“ wurde um zwei Zedern herum angelegt, die 1875 auf beiden Seiten des Teiches gepflanzt wurden.

Zwei weitere Treppenanlagen führen den Besucher hinunter zur „Pergola“ und zur „Lower Rose Terrace“. Die Pergola führt auf beiden Treppen zur unten liegenden „Canal Terrace“ mit einer wunderschönen Drahtmühle am südlichen Ende. Sie stammt ursprünglich aus Woodchester in Gloucestershire, wo sie in den 1730er Jahren errichtet wurde. Die Mühle konnte vor dem Verfall gerettet werden und wurde 1938 nach Bodnant gebracht. Heute überragt sie die attraktiven Teiche der Kanalterrasse.

Spaziert man von der Kanalterrasse weiter, vollzieht sich eine Landschaftsmetamorphose von den formalen Pflanzungen der Terrassen zu den unterhalb liegenden Landschaften der „Dell“. Eine Magnolienreihe säumt den Hangweg hinunter, an dessen Fuß eine schöne Getreidemühle im klassischen italienischen Stil aus dem Jahr 1827 steht. Die Landschaft in diesem Bereich bildet einen starken Gegensatz zu den Gärten in der Nähe des Hauses. Die rauere und ungeordnete Szenerie in diesem Teil der Anlage kommt den ursprünglichen Ideen einer pittoresken Landschaftsgestaltung sehr viel näher.



Viele Wege schlängeln sich den Hang hinauf und werden von Rhododendren, Azaleen, Magnolien und anderen Sträuchern begleitet, die zu jeder Jahreszeit wahre Farbexplosionen liefern. Auf dem Weg von der Mühle weiter entlang des Tals, trifft man auf einen spektakulären Wasserfall und auf eine Dammbrücke, von der man einen schönen Blick flussauf- und flussabwärts hat. Oberhalb des Mühlenteichs sind Staudenrabatten sowie der „Round Garden“ angelegt, die beide eine schöne Sicht auf das Tal ermöglichen. Von hier führt der Weg hinauf zur „Top Lawn“, die in der Nähe des Herrenhauses liegt.

Diese wunderbaren Gärten sind zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Beide Gestaltungsformen, sowohl der formale als auch der nicht formale Garten sind gleichermaßen sehenswert und bieten reizvolle Ausblicke auf die im Hintergrund liegenden walisischen Berge.

Bis vor Kurzem war das Herrenhaus in Bodnant der Wohnsitz von Lord Charles Aberconway. Nach dessen Tod 2003 übernahm sein Sohn Michael McLaren das Herrenhaus.

Obwohl das Haus nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wird seine Pracht auch durch sein äußeres Erscheinungsbild für alle Besucher sichtbar. Besonders vom „East Garden“ und der „Front Lawn“ steht das Gebäude im Blickpunkt und ergänzt sich mit der spektakulären umgebenden Landschaft zu einem harmonischen Ganzen.