Kloster Dalheim


Dalheim

Landschaftlich reizvoll gelegen, zählt Dalheim zu den wenigen ehemaligen Klöstern im norddeutschen Raum, bei denen der Besucher einen umfassenden Eindruck vom barocken Gesamtzustand gewinnen kann. Die Anlage wird von einer fast 1 Meter breiten und 1030 Meter langen Mauer umgeben.

Als Augustinerinnenkloster wurde es 1264 erstmals erwähnt, nach Überfällen und Brandschatzungen aber im 14. Jahrhundert aufgegeben ("wüst"). Vom Nachbarkloster Böddeken ausgehend erfolgte 1429 die Wiederbesetzung mit Augustinermönchen. 1803 erfolgte die Aufhebung des Klosters, bei der Kirche und Konventsgebäude zu rein landwirtschaftlichen Nutzbauten umfunktioniert wurden. 1979 erwirbt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das ehemalige Kloster, das im Frühjahr 2007 als LWL-Landesmuseum für Klosterkultur offiziell eröffnet wurde. 

Die ältesten Gebäude sind die zwischen 1460 und 1475 errichtete spätgotische Klosterkirche und der vierflügelige Konventsbau mit Kreuzgang. Im späten 17. und vor allem im 18. Jahrhundert erlebt Dalheim seine größte wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Unter Abt Bartholdus Schonlau entstehen zwischen 1708 und 1730 insgesamt 23 neue Gebäude, die sich durch ihre Dimensionen und ihre solide Ausführung auszeichnen. Sie sind noch fast alle erhalten. Die durchgreifende barocke Umgestaltung macht die Anlage zu einer der schönsten des Paderborner Landes.

Von den zahlreichen Gärten des Klosters ist äußerlich nur noch wenig erhalten. Eine Vorstellung vermittelt aber ein 1739 erstelltes Ölgemälde, welches den Idealzustand der barocken Gesamtanlage darstellt. Herzstücke der repräsentativen Anlage sind die Gärten des Abtes und des Konvents. Der langgestreckte Abtsgarten liegt auf einer höher gelegenen Terrasse. Die beiderseits eines Mittelweges angelegten Beete waren mit Buchsbaum eingefasst und durch Formbäumchen in den Ecken betont. Frostempfindliche Kübelpflanzen überwinterten in der heute noch vorhandenen Orangerie auf der Nordseite des Gartens. Im Sommer wurde sie als Gartenhaus und Konzertsaal genutzt. Einen weiteren Akzent im Abtsgarten bildete das in die Klostermauer integrierte kleine Gartenhaus. Der Abtsgarten wurde bis vor kurzem als privater Nutz- und Ziergarten genutzt und wird nun in das Museumskonzept einbezogen.

Den Südteil des ummauerten Klosters nahm der den Mönchen und den Gästen vorbehaltene Konventsgarten ein. Mehrere Terrassen wurden durch eine mittlere Längsachse und begleitende Rahmenwege mit Rampen und Treppen untereinander verbunden. Attraktionen waren der runde Brunnen im mittleren und der quadratische Brunnen im unteren Bereich. Optisch rundeten zwei ‚Spiegelteiche', in denen sich die Gebäude und der Park spiegeln sollten, den Konventsgarten nach Osten ab. Archäologische Grabungen haben gezeigt, dass sich unter der Oberfläche eine Vielzahl von Relikten der ehemals vorhandenen Stützmauern, Treppen und Brunnen erhalten haben. Nach einer behutsamen Neuinterpretation des ehemals barocken Klostergartens ist der Garten nun wieder eine der Hauptattraktionen der Museumsanlage und vermittelt den Besuchern einen noch nachhaltigeren Eindruck von der Gartengeschichte des Klosters.

Zu den weiteren Gärten gehörte ein Kräutergarten in der Nähe des Klosterhospitals. Der in 2002 angelegte Heilkräutergarten spiegelt den Kenntnisstand der Klostermedizin im Barock wider. Der Meiereigarten hinter den nördlichen Wirtschaftsgebäuden diente der Versorgung mit Obst und Gemüse; 1886 standen hier 80 Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume. Der Eichhof ("Eichkamp") vor der Klostermauer bestand ursprünglich aus regelmäßig und in Reihen gepflanzten Eichen und diente zur Schweinemast, als Nutzholzreservoir und als Wetterschutz. Ein großer Teil seines heutigen Baumbestandes stammt noch aus der Klosterzeit.

 

LWL-Landesmuseum für Klosterkultur

Klöster haben die Entwicklung Europas über Jahrhunderte hinweg bis heute entscheidend geprägt. Sie sind neben ihrer herausragenden Bedeutung als religiöse Zentren und Vermittler christlichen Glaubens, Stätten der Bildung, der Forschung, der Kunst und der wirtschaftlichen Entwicklung ganzer Landstriche gewesen.

Mit seinen gotischen Kreuzgängen, üppigen Gärten und den neu gestalteten Ausstellungsräumen lädt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim ein, die faszinierende Fülle klösterlicher Kultur zu entdecken. Und dazu gehören nicht nur ora et labora, sondern auch Musik und Theater, Essen und Trinken, bedeutende Kunstschätze, Bau-, Buch- und Gartenkunst.