Landschaftspark Duisburg Nord


Metamorphose einer Industrielandschaft

Etwa fünf Kilometer nördlich von Duisburgs Innenstadt befindet sich das stillgelegte Meidericher Hochofenwerk, inzwischen das Zentrum des Landschaftsparkes Duisburg-Nord. Der etwa 200 Hektar große Landschaftspark setzt sich aus verschiedenen Brachen ehemals industriell genutzter Flächen zusammen. Das Ende der Roheisen-Produktion und die Aufgabe von Zeche, Kokerei, Gießerei und anderen Anlagen liegen zum Teil über 40 Jahre zurück. Die Vielfalt des Geländes ist aufgrund der extrem veränderten Topographie, der unterschiedlichsten Bodensubstrate und der darauf spontan entstandenen Vegetation ausgesprochen hoch. Einige Waldbereiche sind noch immer urwaldartig, die Überreste einer „versunkenen Stadt“ lassen sich hier vermuten.



Das Gelände ist die ursprüngliche Niederung der Alten Emscher in Duisburg. Vor etwas mehr als 100 Jahren floss die Emscher hier in großen Mäandern an verschiedenen Wassermühlen und Bootsbaubetrieben vorbei in Richtung Rhein.

Unter dem Druck der massiven Arbeitsplatzverluste der Stahlindustrie in Duisburg-Rheinhausen wurde die industriell genutze Fläche des jetzigen Landschaftsparkes im Rahmen eines Tauschhandels ökologischer Ausgleich für neue Gewerbeansiedlungen

Die Strukturen der industriellen Hinterlassenschaften wurden durch Peter Latz und sein Team aufgespürt und im Sinne einer Parknutzung weiterentwickelt. Das Konzept der Parkstrukturen setzt sich aus verschiedenen „Schichtungen“ zusammen, die punktuell miteinander verknüpft sind. In Entwicklungsbereiche gegliedert, wurde der Park abschnittsweise von 1992 bis etwa 2003 entwickelt.
Die Hochöfen sind dabei das ehemals „heiße Herz“ des Parkes, das deutlich sichtbare Zentrum der Eisen- und Stahlproduktion.



Der „Wasserpark“ setzt sich aus dem System der Alten Emscher mit dem dazugehörigen Wassersammelsystem zusammen. Alle Dachflächen und befestigten Flächen innerhalb des Parkes - vor allem der Bereich des Hüttenwerkes - werden zur Wassersammlung herangezogen, da nach Verrohrung des offenen Abwasserlaufs kaum natürlicher Zufluss vorhanden ist. Die Wassersammlung erfolgt über offene Rinnen und alte Rohrsysteme, die möglichst nachvollziehbar und spektakulär in Szene gesetzt wurden. Am besten erlebbar ist der „Wasserpark“ allerdings während oder unmittelbar nach einem kräftigen Regenfall.

Zahlreiche Bahnlinien durchziehen den Landschaftspark sowie auch große Teile des nördlichen Ruhrgebiets und bildet ein sehr speziell ruhrgebietstypisches Landschaftsgerüst. Kreuzende Bahndämme in verschiedenen Höhenlagen gliedern die Flächen in kleinere überschaubare Teile. Alle Teilbereiche des Parkes sind über das alte Werksbahnsystem miteinander verbunden. Sie bilden den „Bahnpark“. Durch die Hochlage der Gleise bieten sich von den jetzigen Wegetrassen Blicke in die Landschaft und die umgebenden Stadtteile.

Das „Vegetationskonzept“ des Landschaftsparks nutzt das vorgefundene Potential einer vielfältigen Spontanvegetation. Aufgrund der unterschiedlichen Standortbedingungen, Brachezeiten und der Einwanderung fremder Pflanzen mit den Erz- und Kohlentransporten aus der ganzen Welt konnte sich eine ungewöhnliche Pflanzenvielfalt etablieren.



Die größten Flächenanteile des Landschaftsparkes Duisburg Nord sind trotz ihrer starken Prägung durch die Industrie eher freie Landschaft als ein durchgestalteter Park. Die vielfältige Spontanvegetation soll durch gezielte Eingriffe erhalten und gefördert werden. An ausgesuchten Orten im Park wurden die „Gärten im Park“ angelegt. Die intensiven gärtnerischen Pflanzungen und die erforderliche Pflege beschränkt sich so auf kleine Teilbereiche. Das Spezifische des jeweiligen Ortes wird aufgegriffen und thematisch verarbeitet. An der ehemaligen Sinteranlage (Eisenerz und Koks wurden hier zu kugelförmigen Pellets verbacken) entstanden so die Sinterbunkergärten in den durch massive Betonwände geschützten Gartenkammern. Die Vielfalt der dort ursprünglich gelagerten Erzmaterialien aus aller Welt spiegelt sich in den unterschiedlich gestalteten Gärten wieder.

Am Ingenhammshof, einem nicht industriell, sondern ausschließlich landwirtschaftlich genutzten Bereich des Landschaftsparkes, wurde im Bereich des alten Hofgebäudes ein dazugehöriger Bauerngarten angelegt. In unmittelbarer Nähe zu einem wiederbelebten Mäander der Alten Emscher wird hier das Bild der vorindustriellen Landschaft erfahrbar.



Im Übergangsbereich der Wohngebiete zum Park sind an einigen Randbereichen die sogenannten „Vorparks“ entstanden. Der Vorpark Meiderich nutzt die alten Mauerstrukturen des ehemaligen Ledigenheimes als eingesenkten Spielgarten inmitten eines Spontanbirkenwäldchens. Am ehemaligen Güterbahnhof Winterstraße wurden die alten Gleisspuren und Pflasterflächen in die Struktur des Stadtteilparks einbezogen.

Sein Aufsehen erregendes Nachtgesicht erhält der Park besonders am Wochenende durch die von Jonathan Park entwickelte Lichtinstallation in den bunten Erkennungsfarben der Internationalen Bauausstellung Emscher Park.

Duisburg Nord hat sich aufgrund des einzigartigen Umgangs mit den Hinterlassenschaften und Spuren der Industrie bereits in den ersten zehn Jahre seit Eröffnung des ersten Teilabschnittes 1994 im Ruhrgebiet und international bekannt gemacht.

Ein besonderer Ort für alle Sinne, der in der Lage ist, verschiedene Zielgruppen anzusprechen.