Schlosspark Dyck


Der Garten

Wer Schloss Dyck mit seinem Schlosspark und dem Dycker Feld besucht, kann aus dem Vollen schöpfen: Auf einer Fläche von insgesamt mehr als 70 Hektar spannt sich der Bogen von der historischen Gartenkunst bis zur modernen Landschaftsarchitektur, tausend Jahre Schloss- und Baugeschichte werden erlebbar. Wissenschaft, Gartenpraxis, außergewöhnliche Veranstaltungen und Ausstellungen gehen hier Hand in Hand und machen Dyck zu einem immer wieder neuen Erlebnis.

Schlosspark Dyck

Das Zeitalter der Aufklärung war eingeläutet, als Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck im 18. Jahrhundert die Herrschaft über das Anwesen übernahm. Er war Botaniker und Pflanzensammler, er reiste und nahm Verbindung zu botanischen Gärten vieler Länder auf, so dass seine Sammlung mit 1500 Arten schließlich zu den größten in Europa gehörte. Den Park von Schloss Dyck ließ Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck im frühen 19. Jahrhundert von Thomas Blaikie im landschaftlichen Stil anlegen. Der schottische Landschaftsarchitekt konnte die gesammelten exotischen Sträucher und Bäume an exponierte Stellen pflanzen und dem Park jenen Charakter geben, der ihn bis heute europaweit zu einer Besonderheit macht.

Zu selten erlebbarer Größe und Schönheit ist im Laufe der Jahrhunderte beispielsweise der Tulpenbaum auf der Orangeriehalbinsel herangewachsen. Mit einem Umfang von 110 Metern stellt die Rieseneibe auf der südlichen Schlosswiese eine wahrhaft imposante Erscheinung dar. Ein Riesenmammutbaum und verschiedene Pappelarten leisten ihr Gesellschaft, eine Sumpfzypresse aus Florida ragt in den Himmel, zu finden am Ufer gegenüber dem Südflügel des Schlosses. Geweihbaum, Robine und Säuleneiche gehören zu den vielen charakterstarken Raritäten, die man anhand dezenter Hinweistafeln gut identifizieren kann.

Schlosspark Dyck

„Einblicke – Ausblicke“ sind im Park in ungezählten Variationen erlebbar. Brücken und Wege führen hin zum Schloss, Alleen und Sichtachsen setzen die Barockarchitektur immer wieder eindrucksvoll in Szene. Mal dient die malerisch gestaltete Natur als Rahmen, mal ist sie selbst das Hauptmotiv einer Bildkomposition, eingefasst von einem Fenster oder Torbogen des Schlosses. Die dendrologischen Raritäten des Schlossparks bilden darin Anziehungspunkte von höchster Ausdruckskraft, um sie herum scheint sich die Natur ins Unendliche fortzusetzen.

Jeder Besucher mag seinen persönlichen Lieblingsplatz im Park selbst finden. Zu den Favoriten zählt dabei gewiss das barocke Brückentorhaus, das man auf dem Weg zur Orangeriehalbinsel durchschreitet. Von hier schaut man in den Park und auf das Hochschloss, wie es sich in voller Schönheit auf der ruhigen Wasserfläche des Weihers spiegelt. Natürlich rangiert auch die Orangerie mit ihrer Sonnenterrasse auf hoher Ebene, von dort genießt man den Blick auf die Halbinsel und ihre quadratischen Pflanzbeete, die an die botanische Sammelleidenschaft des Fürsten Joseph erinnern. Zur schattigen Rast lädt der Staudengarten der Gräfin ein, der mit seinem geschlossenen Charakter Geborgenheit vermittelt und der gleich am benachbarten Teehaus zu finden ist.

Schlosspark Dyck

Jeder prominente Ort im Park genießt seinen Ruf zurecht. Darüber hinaus sollte man aber weitere Schritte gehen: Dann erschließen sich die romantischen und lauschigen Plätze, die man mit etwas Glück im weitläufigen Park ganz für sich allein genießen kann. Es ist wirklich ein Versäumnis, wenn man - nach dem Schlossbesuch – bereits ab der Orangeriehalbinsel wieder kehrt macht. Man verpasst beispielsweise die halbrunde Steinbank „Exedra“, die im Mai zur Rast einlädt, nachdem man das leuchtende Orange, Gelb, Violett und Weiss des Mattern`schen Azaleengartens bewundert hat, oder die üppige rosa- und lilafarbene Pracht der riesigen Rhododendren. Die prächtigsten Exemplare warten vor dem Waldpavillon/ Ausgang auf die Besucher.

Vor allem im Frühjahr ist es nicht schwer, die duftende Magnolienwiese zu entdecken, oder die Kelzenberger Bachwiese, auf der die Himmelsschlüssel und das Wiesenschaumkraut blühen. Wer Bärlauchblüten sehen möchte, kann den entsprechenden Parkraum „erklettern“, denn er befindet sich gleich hinter dem Seil- und Kletterwald, der den Abschluss der Themengärten markiert. Doch auch ohne akrobatische Leistung ist dieses Areal über die angelegten Wege erreichbar. Weit und hügelig erstreckt sich die große Parkwiese mit dem Lindenrondell und markanten alten Bäumen. Welcher Ort könnte schöner für ein Picknick sein?

Schlosspark Dyck

Noch ein „verborgener Ort“ sei erwähnt: Hinter der berühmten Barockbrücke führt der Weg auf der Südseite des Schlosses am Ufer entlang zu einer Holzbrücke. Sie liegt im Schatten versteckt und lenkt den Weg weiter in eine kleine Schlucht, die zur einen Seite flankiert wird vom Schloss und zur anderen von mächtigen Nadelbäumen. Hier ist es selbst an heißen Sommertagen erfrischend kühl, und es bieten sich interessante Blickwinkel.

Der Herbst hält spektakuläre Farbenspiele bereit, bringt leuchtendes Gelb, sattes Braun und dramatisches Rot. Der Winter schärft die Kontraste, lässt die Konturen deutlich hervortreten, so dass jede Jahreszeit im Park ihre Reize hat.

Schlosspark Dyck 

Interessante Gestaltungsmöglichkeiten für das private Grün werden dem Gartenliebhaber im praxisorientierten Bereich gleich hinter dem Eingang präsentiert: von renommierten Landschaftsgärtnern angelegte Mustergärten zeigen, wie man auch kleine Gärten in eine Oase verwandeln kann. Themengärten machen Geschichte erlebbar, ein Baumhoroskop gibt Auskunft, ein Labyrinth-Spielplatz und ein Klettergarten begeistert die jüngsten Besucher. Das Thema Bambus beherrscht eine eigene Fläche und wird in vielen Varianten und Einsatzmöglichkeiten vorgestellt.

Eingebettet in China-Schilf befinden sich auf dem Dycker Feld mehr als 20 quadratische „Gartenräume“, die das Thema Landschaftsgestaltung künstlerisch und abstrakt angehen. An prominenter Stelle, nämlich dem Kreuzungspunkt mehrerer Sichtachsen vor der historischen Maronenallee, fallen die „Zehn Variationen eines Blocks“ besonders auf. Hier hat der bedeutende und international renommierte Bildhauer Ulrich Rückriem eine Skulpturengruppe aus etwa drei Meter hohen Granitblöcken inszeniert, die - je nach Standpunkt - wie eine geschlossene Mauer wirken, beim Umrunden aber immer neue Durchsichten freigeben.

Der Schlosspark entwickelt sich ständig weiter. So präsentiert sich der Eingangsbereich vor der Torburg seit 2011 in seinem ursprünglichen barocken Charakter: Eine dritte Allee aus 35 Amberbäumen komplettiert das bestehende Alleensystem, das jetzt wieder die historische Form des „Patte d’oie“ oder „Gänsefuß“ bildet.

Im Herbst 2011 wurden in der Tradition Fürst Josephs über 30 seltene Buchen, Hainbuchen, Eichen und Blütengehölze im Englischen Landschaftsgarten gepflanzt. Weil dort Hortensien schon zur Zeit Fürst Josephs blühten, wird sich das für 2012 geplante „Tal der Hortensien“ harmonisch in den Park einfügen: Rund 500 historische Hydrangea-Sorten einer Privatsammlung sorgen - begleitet von Farnen, Funkien und Mammutblatt - bis in den Herbst für einen Blütenflor in weiß, blau und rosa. Auch die alljährlich ausgesäten Blumenwiesen versprechen eine reiche Blütenpracht bis zum ersten Frost.

In Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) ist in der Gartenpraxis ein Spalierobst-Garten entstanden. Moderne Materialien bilden den Rahmen für die regionalen historischen Obstsorten. Zwei weitere Schaugärten sind in Planung: Ein sonnendurchfluteter Staudengarten und ein Garten mit Schwimmteich.

Eine ehemals auf dem Orangerie-Parterre beheimatete Ginko-Sammlung hat auf dem Dycker Feld eine neue Bleibe gefunden. Dafür wurde auf dem Parterre eine Echinacea-Sammlung angelegt. Kannte man den Sonnenhut ursprünglich nur in weiß und purpur, sind in Schloss Dyck neue Züchtungen in Gelb, Orange und Rottönen zu bewundern.

Sichtachsen geben den Blick frei auf das Barockschloss, das sich mit neu verschlämmter Fassade in den Gräften spiegelt.