Europäischer Gartenpreis 2014


European Garden Award 2014

 

Am Freitag, den 5. September 2014 wurde der Europäische Gartenpreis des EGHN und der Stiftung Schloss Dyck zum fünften Mal, erneut mit Unterstützung der Baumschule Lorenz von Ehren, vergeben.

Hier sind die Gewinner und Finalisten des Europäischen Gartenpreises 2014 in den vier Kategorien:

• Beste Weiterentwicklung eines historischen Parks oder Gartens

• Innovatives Konzept oder Design eines zeitgenössischen Parks oder Gartens

• Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck

• Großräumige Grünkonzepte (neu ab 2014)

 

KATEGORIE 1:
BESTE WEITERENTWICKLUNG EINES HISTORISCHEN PARKS ODER GARTENS

GEWINNER:
THE LOST GARDENS OF HELIGAN, PENTEWAN (GB)

Heligan, seit mehr als 400 Jahren der Sitz der Familie Tremayne, gehört zu den geheimnisvollsten Anwesen in England. Ende des neunzehnten Jahrhunderts erreichte das tausend Hektar große Anwesen seinen Zenit, aber nur ein paar Jahre später warfen Brombeere und Efeu bereits einen grünen Schleier über dieses „Dornröschen“. Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung hätte ein verheerender Orkan im Jahr 1990 die Lost Gardens of Heligan zu einer Fußnote in der Geschichte werden lassen können.

Stattdessen wurde ein winziges Zimmer entdeckt, das unter herabgestürztem Mauerwerk in der Ecke eines der ummauerten Gärten begraben lag. Ein kaum lesbarer Sinnspruch, der mit einem Stift in die Kalksteinwände geätzt wurde, lautet: „Don’t come here to sleep or slumber“ (Komme nicht her, um zu schlafen oder zu schlummern) und ist mit den Namen derer, die dort gearbeitet haben, unterzeichnet. Datum: August 1914. Dies war der Startschuss, um diese herrlichen Gärten in jeder Hinsicht wieder zum Leben zu erwecken und - zum ersten Mal - nicht von feinen Herrschaften, sondern von „normalen“ Menschen zu berichten, die diese Gärten groß gemacht hatten, bevor sie in den Ersten Weltkrieg zogen.

Die Gärten umfassen alte und kolossale Rhododendren und Kamelien, eine Reihe von Seen, die von einer über hundert Jahre alten Pumpe gespeist werden, außerordentlich ertragreiche Blumen- und Gemüsegärten, einen italienischen Garten und eine naturbelassene Zone mit subtropischen Baumfarnen, die „The Jungle“ genannt wird. Die Gärten verfügen auch über Europas letzte, mit Pferdemist beheizte gemauerte Gräben zur Ananaszucht und zwei aus Felsen und Pflanzen geformte Skulpturen - The Mud Maid und The Giant's Head.

Eine Firma, die sich auch um die Restauration kümmert, hat nun die Gärten gepachtet und sorgt für ihre Pflege und ihre Nutzung als Touristenattraktion. Es gibt eine große Arbeitsgruppe mit einer eigenen Vision für das dritte Jahrzehnt des wiederentdeckten Heligan. Dieses Team möchte Heligan als lebendiges und funktionierendes Beispiel für die besten, in der Vergangenheit verwendeten Verfahren bewahren und einen zeitgenössischen Fokus auf die Arbeit mit der Natur, den Schutz und die Verbesserung der Vielfalt von Lebensräumen richten.

Text der Laudatio durch Roswitha Arnold

Externer Link nach Heligan.


FINALIST:
 
SANSSOUCI, POTSDAM (DEUTSCHLAND)
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(Foto: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg/Fotograf: Hans Bach)  

 

FINALIST:
HEDGE HOUSE, KASTEEL WIJLRE (NIEDERLANDE)
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KATEGORIE 2:
INNOVATIVES KONZEPT ODER DESIGN EINES ZEITGENÖSSISCHEN PARKS ODER GARTENS

GEWINNER: ZUKUNFTSPARK KILLESBERG, STUTTGART (DEUTSCHLAND)

Dieses ehemalige Messegelände wurde als neues Stadtviertel mit besonderem Augenmerk auf Kreativwirtschaft und Wohnungsbau entwickelt. Es liegt nicht weit von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und dem Weißenhof entfernt und neben dem Gelände der ehemaligen Reichsgartenschau. Als „grünes Gelenk“ oder „Green Joint“ zieht sich eine großzügige Anlage bis zum Killesbergpark und bildet das grüne Herz des neuen Stadtteils, indem sie neue Merkmale einer modernen Landschaftsplanung hinzufügt: „Zukunftspark Killesberg“.

Der neue Park ist das Ergebnis der Verschmelzung zweier Themen, die den Killesberg prägen: sanfte, naturnahe Landschaft und menschengeprägte Steinbrüche als harte Topographien. In Bezug auf die neuen Raumstrukturen wurde das letzte Thema realisiert, indem riesige Erdmassen auf die ehemaligen Steinbruchareale und Gelände aufgetragen, Unregelmäßigkeiten abgerundet und eine neue Topographie mittels der Rasenkissen zwischen den Spazierwegen erschaffen wurden.

Dieses Projekt war als partizipatorischer Prozess unter Beteiligung der lokalen Behörden, Bürger und Nachbarn ausgelegt, um sowohl ein Verständnis für das Designkonzept zu schaffen, als auch eine überzeugende Grundlage für weitere Entscheidungen zu sichern.

Hügelförmige Rasenkissen, durchzogen von einem dichten Wegenetz, machen das Erleben des Parks noch verlockender. Die bewegte Topographie und die versenkten Wege bieten dem Besucher beim Schlendern durch den Park eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven. Da es am Killesberg immer schon Bäume gab, schließt das neue Design der Parks ebenfalls Blauglockenbäume, Hecken, Wildäpfel und auch alte Obstbaumsorten ein, die sich bis zum Wohngebiet erstrecken. Es gibt also eine Mischung aus lokaler Tradition und exotischen Fremden.

Die Wohnhäuser sind um einen offenen Gartenhof gruppiert. Dieser Gartenhof ist von grasbedeckten Parterres gekennzeichnet, die von Spalieren aus historischen Obstbäumen beschattet werden. Individuelle Heckeneinfassungen und Straßenpflaster verleihen jeder Wohneinheit ihren ganz eigenen Charakter. Der Abriss eines mehrstöckigen Parkhauses legte die Rote Wand frei: ein natürliche Landmarke aus rotem Sandstein, die an die frühere Nutzung des Geländes als Steinbruch erinnert. Ein traditionelles, in der Romantik verwurzeltes Designkonzept, wurde in ein räumliches Konzept überführt, das dazu einlädt, in neuen Welten mit organischer Landschaft und Natur spazieren zu gehen.

Text der Laudatio durch Stephan Lenzen

Externer Link zum Büro Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten.

Externer Link zum Büro Pfrommer + Roeder Landschaftsarchitekten.


FINALIST:
 
CITY DUNE, KOPENHAGEN (DÄNEMARK)
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FINALIST:
AUTOSTADT, WOLFSBURG (DEUTSCHLAND)
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KATEGORIE 3:
SONDERPREIS DER STIFTUNG SCHLOSS DYCK

GEWINNER: ARCHE NOAH, SCHILTERN (ÖSTERREICH)

ARCHE NOAH entstand im Jahr 1990 auf Initiative von Gärtnern, Landwirten und Journalisten, die sich mit Saatgut und traditionellen Sorten befassen.

ARCHE NOAH reagiert auf den Verlust der Vielfalt von Kulturpflanzen mit einer positiven Vision und zahlreichen Aktivitäten. Dies zeigt, wie wir alle zu mehr Vielfalt durch den Anbau von gefährdeten Sorten im Garten und durch bewusstes Kaufverhalten und politisches Engagement beitragen können. Diese Haltung verbindet mehr als 8.000 engagierte Mitglieder. Es geht darum, unsere Kulturpflanzen mit Respekt zu betrachten, Garten- und Feldarbeit als kulturelle Errungenschaft zu schätzen, ethisch motivierten Konsum als Beitrag zu biologischer und nachhaltiger Landwirtschaft zu sehen und Kochen zu einer Liebeserklärung zu machen.

Der Garten von ARCHE NOAH liegt im Kamptal, in einer kleinen Stadt namens Schiltern, nicht weit von der Stadt Krems/Donau entfernt. Ein wunderschönes schmiedeeisernes Tor führt den Besucher in den barocken Schlossgarten, wo heute Hunderte von seltenen Kulturpflanzen wachsen. Der Garten der ARCHE NOAH hält für jeden etwas bereit - für Gärtner, Landwirte, Käufer, Kinder und all diejenigen, die einfach nur einen entspannenden Ausflug machen möchten. Während der Saison können die Besucher immer etwas Neues im Garten entdecken. Über 30.000 Besucher werden jedes Jahr von dem wunderschönen Garten und seiner enormen Vielfalt angezogen.

Das Sortenarchiv von ARCHE NOAH gehört zu den größten privaten Kulturpflanzen-Samenbanken in ganz Europa und bewahrt über 6.000 Exemplare seltener Gemüse- und Getreidesorten auf, von denen viele an anderen Orten nicht mehr existieren. Die Zucht, Dokumentation und Erforschung dieser Pflanzen wird in einem speziellen (biologischen!) Zuchtgarten durchgeführt.

Es gibt auch riesige Sammlungen von Früchten und Beeren, die zum Teil im Schaugarten stehen, größtenteils aber von Mitgliedern „adoptiert“ wurden und in verschiedenen privaten Obstgärten erhalten werden. Die Erhaltung von mehr als 200 seltenen Kartoffelsorten ist wirklich harte Arbeit - alle Sorten müssen jedes Jahr neu gepflanzt und geerntet werden. Bio-Bauern aus der Region „Waldviertel“ helfen dabei, diese Aufgabe zu bewältigen.

Text der Laudatio durch Heinz W. Hallmann

Externer Link zur Arche Noah.

 


KATEGORIE 4:
GROßRÄUMIGE GRÜNKONZEPTE

GEWINNER: NATIONAL URBAN PARKS (FINNLAND)

Grünzonen, grüne Keile oder Korridore sind weit davon entfernt, Neuerfindung zu sein. Aber es gibt Anzeichen für ein Comeback von Grünzonen und Netzwerken in der Stadtplanung, diesmal unter den Vorzeichen von Multi-Funktionalität und Anpassung an den Klimawandel.

In Finnland übt der Bedarf an intensivierter Landnutzung und die Schließung von Baulücken bzw. Nutzung von Brachen in den Innenstädten großen Druck auf wertvolle städtische Umgebungen wie Grünflächen und historische Stadtteile aus und kann zu einer kurzsichtigen, diffusen Entwicklung und dem Bedeutungsverlust von Orten führen.

Es gibt eine sehr erfolgreiche Richtlinie, um dies zu verhindern - den National Urban Park (NUP). Um als NUP akzeptiert zu werden und um ein entsprechendes Konzept zu entwickeln, muss die Stadtverwaltung aktiv werden. Das Umweltministerium gewährt den Status als NUP, hat aber auch eine beratende Rolle in der Anwendung und künftigen Entwicklungsprozesse der NUP.

Das NUP-Gebiet muss die folgenden Kriterien erfüllen und in die operativen Planungskonzepte passen: vielfältige Umgebungen, einschließlich der städtischen Biodiversität, kulturhistorische Anlagen, sehenswerte Parks und Grünflächen, die Einbeziehung des zentralen Stadtkernbereichs, unberührte und ausgedehnte Grünflächen und Erholungsgebiete und Verbundnetze mit der Möglichkeit, von einem Stadtteil zum anderen zu laufen, Ökologie und Kontinuität mit Korridoren und Verbindungen zu natürlichen, ländlichen (Wald)Gebieten außerhalb der Innenstadt.

Der National Urban Park-Status schließt Entwicklungen nicht aus, auch wenn sich daraus Landnutzungskonflikte ergeben können. Jede wesentliche Änderung in Bezug auf die zentralen Werte des National Urban Park muss aber zwischen der Stadtvertretung und dem Ministerium für Umwelt verhandelt werden. Das Netzwerk verfügt bislang über sechs NUP´s mit Unterschieden in den kulturellen und natürlichen Landschaften, Stadtbildern, historischen Besonderheiten und der Biodiversität, aber auch in ihren Werten für die Freizeit, die Stadtgesellschaft und andere Bereiche.

Das Netzwerk der National Urban Parks bietet die wertvollsten finnischen urbanen Umgebungen. NUP´s sind auch wertvoll für das Image der Städte: In der Tat ein entscheidendes Motiv für ihre Gründung. Gleichzeitig sind NUP´s alltägliche Outdoor-Wohnräume für Bürger und Besucher.

Text der Laudatio durch Gunnar Ericson

Ein Foto von der Preisverleihung steht hier als Download zur Verfügung.

Die Pressemitteilung steht hier als Download zur Verfügung. 

 

Der Europäische Gartenpreis wird unterstützt durch: