Europäischer Gartenpreis 2016


European Garden Award 2016

 

Am 9. September 2016 wurde in Schloss Dyck (Jüchen) der Europäische Gartenpreis des EGHN und der Stiftung Schloss Dyck mit Unterstützung der Baumschule Lorenz von Ehren zum siebten Mal verliehen.

Hier ist ein Überblick über Gewinner der 1. Preise und 2. Preise des Europäischen Gartenpreises 2016 in den vier Kategorien:

• Beste Weiterentwicklung eines historischen Parks oder Gartens

• Innovatives Konzept oder Design eines zeitgenössischen Parks oder Gartens

• Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck

• Großräumiges Grünkonzept

 

 

KATEGORIE 1:
BESTE WEITERENTWICKLUNG EINES HISTORISCHEN PARKS ODER GARTENS

1. Preis:
HESTERCOMBE GARDENS, TAUNTON (Großbritannien)

Die Gärten von Hestercombe befinden sich nur 6,5 km von Taunton in der Grafschaft Somerset entfernt. Hestercombe Gardens ist eine einzigartige Kombination von Gartenanlagen aus drei Epochen: ein georgianischer Landschaftspark, ein viktorianischer Terrassengarten und ein formaler Garten aus der Zeit Edwards VII.

Der Soldat und Künstler Coplestone Warre Bampfylde, der für seinen guten Geschmack bei der Gestaltung von Gartenanlagen bekannt war, schuf den Landschaftspark Mitte des 18. Jahrhunderts. Mit dem Ausbau der viktorianischen Terrassen und dem Pflanzen verschiedenster Sträucher wurde in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts seine Vision ergänzt. Zwischen 1904 und 1908 schufen Sir Edwin Lutyens und Gertrude Jekyll schließlich die wundervollen edwardianischen Gärten.

Nach einer relativ kurzen Nutzungsphase begann allerdings eine lange Phase der Vernachlässigung der Gärten, und über lange Jahre waren alle Anlagen sehr verwildert. In den 1970er Jahren wurden, durch Somerset County Council, die Terrassengärten und die formalen Gärten restauriert. Dies war eines der ersten Gartenrestaurierungsprojekte in Großbritannien.

Der Landschaftspark war zu dieser Zeit ganz besonders stark verwildert und wurde in die Restaurierungsarbeiten nicht einbezogen. Viele Strukturen waren nicht mehr zu erkennen, ein großer See völlig verlandet, Bauwerke, wie z.B. kleine Tempel, stark zerfallen. Es war Philip White, der bei einem Spaziergang in der Mittagspause dieses versunkene und zugewachsene Paradies entdeckte. Er machte dessen Wiederherstellung zu seiner Hauptaufgabe, in die er einen Großteil seiner Zeit investierte und für die er eine Hypothek auf seien Farm aufnahm. Er gründete Hestercombe Gardens Trust, dessen Vorsitzender er heute ist.

Heute können Besucher im 17 Hektar großen Landschaftspark wieder alte Baumriesen, Bäche, Tempel, Seen, Kaskaden, Aussichtspunkte und vieles mehr entdecken und so eine Reise in die Geschichte machen. Zusammen mit den anderen Gartenräumen und den neueingerichteten Restaurants, Shops und Ausstellungsräumen ist Hestercombe damit schon seit einigen Jahren wieder ein rundes Erlebnis.

Aber die gewaltige Aufgabe ist noch nicht zu Ende und die Erfolgsgeschichte geht weiter. Mit der Übernahme des Herrenhauses, zuvor von der Somerset Fire Brigade genutzt, im Jahre 2013 ergaben sich neue Nutzungsmöglichkeiten und neue Angebote für die Besucher. Im Haus gibt es nun attraktive Räumlichkeiten für Feiern und andere Events, ein neues Restaurant und vor allem auch eine Kunstgalerie, deren Schwerpunkt in den Wechselausstellungen auf Land-Art und der Verbindung von Kunst, Landschaft und Gärten liegt.

Laudatio durch Roswitha Arnold.

Externer Link zur Website von Hestercombe Gardens.


2. Preis:
 
SCHLOSSPARK LUDWIGSLUST (Deutschland)
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2. Preis:
ROYAL BOTANIC GARDEN EDINBURGH (GB)
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KATEGORIE 2:
INNOVATIVES KONZEPT ODER DESIGN EINES ZEITGENÖSSISCHEN PARKS ODER GARTENS

1. Preis: KLOSTER LORSCH, LORSCH (Deutschland)

Die Benediktinerabtei im südhessischen Lorsch wurde schon 1557 als Kloster aufgehoben. Obwohl die alte Substanz weitgehend verlorenen gegangen ist, wurde Kloster Lorsch 1991 als Weltkulturerbe anerkannt, nicht zuletzt auch wegen der Torhalle als einem der letzten karolingischen Bauwerke und Zeugnisse der nachrömischen Zeit östlich des Rheins. Die noch vorhandenen Relikte hervorzuheben, Spuren nachzuzeichnen und behutsam neue Strukturen zu ergänzen, damit die Geschichte und Bedeutung des Ortes und sein Bezug zur Kulturlandschaft wieder erkennbar und erlebbar werden, waren Ziele der landschaftsarchitektonischen Neugestaltung.

Schon bei der Annäherung erhält der Besucher mit dem freigestellten Blick auf die Klostermauern mit dem höherliegenden Klostergelände einen Eindruck von Umfang und Struktur der Anlage. Mehr über den Zusammenhang zwischen Kloster und seiner umgebenden Kulturlandschaft erfahren sie, wenn sie dabei dem „Weg der Natur“ oder dem „Weg der Kultur“ folgen.

Innerhalb der Klostermauern sind die ehemaligen Gebäude (Klosterkirche, umbauter Vorhof, Klausur mit Kreuzgang) und ihre Konstellation zueinander durch leichte topografische Veränderungen, meist exakt geböschte Vertiefungen, erkennbar. Die verschwunden Gebäude haben in dem satten Grün quasi ihre Abdrücke hinterlassen. Auf die Torhalle führt ein Wechsel aus Rasen- und Pflasterflächen zu, eine schiefe Ebene, die so wie eine Treppe mit überbreiten Stufen wirkt.

Der Kräutergarten hinter der noch vorhandenen Zehntscheune ist ein neues Element, für das zwar die historischen Belege fehlen, dessen Bepflanzung aber auf dem „Lorscher Arzneibuch“ aufbaut, das um 800 n. Chr. geschrieben und 2013 in das UNESCO-Register des Dokumentenerbes aufgenommen wurde. Im Garten finden sich viele der dort erwähnten Pflanzen wieder. Mit zahlreichen Trockenmauern schmiegt er sich terrassenförmig an einen kleinen Hang. Mit seiner Blüten- und Farbenfülle und den umgrenzenden (Obst)Bäumen ist er ein Besuchermagnet. Seine Kleinteiligkeit ist ein starker Kontrast zum Gesamtbild der Anlage und so verwundert es nicht, dass der Kräutergarten hinter der Zehntscheune etwas „versteckt“ wirkt.

Geleitet werden die Besucher hier wie im gesamten Gelände von einer Wegestruktur, die wie Bänder auf die Strukturen gelegt wurde und deren Enden bzw. Biegungen nicht „nahtlos“ ineinander übergehen, sondern überlappen und wie eine Art Weiche wirken.

Die Jury des Europäischen Gartenpreises schließt sich dem Urteil der Jury des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises an, die Kloster Lorsch 2015 mit dem ersten Preis geehrt hat: „Bauten, Topographie und Vegetation verbinden sich kreativ wie sensibel zu einem sehr vielgestaltigen „Ort des Wissens“, der nun auch ganz unaufgeregt zu sehr sympathisch individuellen Entdeckungen der historisch wechselnden Grenzen von Natur und Kultur einlädt.“

Architekten: TOPOTEK 1, Berlin

Laudatio durch Ed Bennis.

Externer Link zum Architekturbüro TOPOTEK 1.

Externer Link zur Website von Kloster Lorsch.


2. Preis:
 
STADSPARKEN SKELLEFTEA, SKELLEFTEA (Schweden)
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2. Preis:
ATLANTIC PARK, SANTANDER (Spanien)
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KATEGORIE 3:
SONDERPREIS DER STIFTUNG SCHLOSS DYCK

1. Preis: BALLYMALOE COOKERY SCHOOL, SHANAGARRY CO (Irland)

Mit dem diesjährigen Thema „Küchengärten“ für den Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck war die Jury aufgefordert, sich den Ursprüngen des Gärtnerns zuzuwenden. Wenn auch die frühen Gärten primär dem Anbau von Obst, Gemüse und anderen Nutzpflanzen dienten, waren Gärtner schon bald auch um eine attraktive Gestaltung bemüht. Diesem Dialog hat sich die Jury intensiv angenommen und eine Vielfalt herausragender Gärten gefunden, von denen viele preiswürdig gewesen wären. Bei einigen steht die dekorative Verwendung von Nutzpflanzen im Vordergrund, mal geht es um den Erhalt alter Sorten und Varietäten oder aktuell als „Urban Gardening“ auch um alternatives Wirtschaften und sozialen Zusammenhalt.

Eine überzeugende Verbindung dieser und anderer Aspekte zeichnet den diesjährigen Preisträger des Sonderpreises aus: die Gärten der Ballymaloe Cookery School in Shanagarry Co., Irland. Schon diese historischen Namen stehen für das Programm dieser gut 40 Hektar großen organischen Farm: Ballymole steht in Gälisch für „Ort des süßen Honigs“ und Shanagarry bedeutet „alter Garten“.

Seit der Gründung im Jahre 1983 durch Darina Allen werden in Ballymaloe nicht nur Obst und Gemüse angebaut, sondern auch vielfältigste Koch- und Gastronomiekurse angeboten, die Teilnehmer aus aller Welt finden. Denn nur in Ballymaloe gehen gärtnerisch gekonnter Anbau und kulinarisch perfekte Verwendung in dieser intensiven Form Hand in Hand. Nur hier kann man eine Gruppe weißgekleideter Küchenchefs durch die Gärten streifen sehen, auf der Suche nach dem besonders prallen und reifen Gemüse oder Obst.

Doch auch „das Auge isst mit“: Gestaltung und Vielfalt der Gärten sind ein ästhetisches Erlebnis und Inspiration für jeden Gartenliebhaber. Im Zierobstgarten verkürzen Frühlingsblüher die Zeit des Wartens auf die zahlreichen Beeren und das Spalierobst (u.a. Pfirsiche und Aprikosen). Auch der Küchengarten mit seinen vielen alten Gemüsesorten und der von Hecken gefasste Kräutergarten verbinden Nutzwert und gestalterischen Anspruch in herausregender Weise. Und sie sind nur einige der zahlreichen Gartenräume, zu denen u.a. auch ein Wassergarten, ein kleiner Landschaftspark, ein Irrgarten, der doppelseitige Staudengarten und weitere Ziergärten gehören.

Für die Jurymitglieder war es dieses Gesamterlebnis und der hohe Anspruch der Ballymaloe Cookery School die letztendlich den Ausschlag für die Preisvergabe gegeben haben. Zusätzlich war es vielleicht auch die Tatsache, einen solch international erfolgreichen „Garten Eden mit Kochschule“ eben nicht in Frankreich oder Italien zu finden, sondern im „rauen Irland“.

Laudatio durch Mariachiara Pozzana.

Externer Link zur Ballymaloe Cookery School.

 


KATEGORIE 4:
GROSSRÄUMIGE GRÜNKONZEPTE

1. Preis: EMSCHER LANDSCHAFTSPARK, RUHRGEBIET  (Deutschland)

Die Jury der Europäischen Gartenpreises ist davon überzeugt, dass der Emscher Landschaftspark, mit dem „Vorgänger“ IBA Emscher-Park, Landschaftsarchitektur und Städtebau herausragender Qualität möglich gemacht hat und weiterhin fördert und für den erfolgreichen ökonomischen, ökologischen und sozialen Strukturwandel der Region von ausschlaggebender Bedeutung ist.

Es ist insbesondere die Mischung verschiedenster Maßnahmen, die von spektakulären Projekten wie dem Landschaftspark Duisburg Nord, über die Erhaltung und Erschließung von Ruderalflächen der Industrienatur bis hin zu den vielen Projekten im Arbeits- und Wohnumfeld reicht, die den Emscher Landschaftspark zum diesjährigen Preisträger gemacht haben. Dies umso mehr, als sie sich zu einem überzeugenden und höchst attraktiven und wirkungsvollen Gesamtkonzept zusammenfügen. Mit den Veränderungen in seiner größten Problemzone hat das gesamte Ruhrgebiet an ökologischer Qualität gewonnen, neue Wohn- und Freizeitqualität geschaffen und nach und nach auch die wirtschaftlichen Erfolge erzielt, die die IBA 1989 mit dem Konzept “Arbeiten im Park“ angestoßen hatte.

Anders als an vielen Orten in Europa ging es beim Emscher Landschaftspark nie um die Beseitigung aller Spuren der industriellen Geschichte, sondern um die gezielte Inwertsetzung ihrer Leistungen und den Erhalt ausgewählter baulicher Strukturen. An vielen Standorten sind so Parkanlagen entstanden, die in dieser Form einzigartig sind und bleiben werden. Der Landschaftsarchitektur, Stadt- und Regionalplanung ist es gelungen, Halden zu erschließen und mit Haldenkunst zu adeln, grüne Wegeverbindungen mit oft extravaganten Brückenbauwerken zu entwickeln, rund um Relikte der Industriekultur - quasi als neuzeitliche Follies - neue Parkanlagen zu schaffen oder eine zwar große, aber dennoch vergessene Insel zum Zentrum des nächsten angedachten Großprojektes (IGA 2027) werden zu lassen.

Besonders hervorgehoben wurde von der Jury auch die beispielhafte Zusammenarbeit der zahlreichen beteiligten Kommunen, Kreise und Verbände, die Fortschreibung und Nachhaltigkeit des Emscher Landschaftsparks und die Federführung des Regionalverbands Ruhr dabei.

Dem Emscher Landschaftspark und den von ihm ausgelösten Veränderungen im Bewusstsein der regionalen Bevölkerung für die Werte und Vielfalt ihrer Region und seinem positiven Einfluss auf das Image bzw. die externe Wahrnehmung der Region, verdanken - nach Ansicht der Jury - auch viele „Folgeprojekte“ ihre Existenz bzw. ihre Erfolge. Hier seien nur die Nacht der Industriekultur, die Ruhrtriennale oder die Emscherkunst genannt, die auch international wahrgenommen werden und ähnliche Projekte inspiriert haben.

Mit der Vergabe des Europäischen Gartenpreises des Europäischen Gartennetzwerks EGHN und der Stiftung Schloss Dyck in der Kategorie „Großräumige grüne Entwicklungskonzepte“ an den Emscher Landschaftspark will die internationale Jury die Vielfalt und Dauerhaftigkeit des Konzeptes und die hohe Qualität jedes einzelnen Teilstücks würdigen. Der Preis soll auch darin erinnern, dass die neue Qualität der Emscherregion oder der Metropole Ruhr, die inzwischen oft als „alltäglich“ wahrgenommen und wie selbstverständlich genutzt wird, eine lange Geschichte hat, die von Visionen, Engagement und langem Atem vieler Akteure und der Bewohner der Region zeugt.

Die Jury wünscht dem Emscher Landschaftspark weiterhin eine gute Entwicklung und viel Erfolg bei der Bewerbung um die Internationale Gartenbauausstellung 2027 (und deren Durchführung).

Laudatio durch Gunnar Ericson.

Externer Link zur Website der Metropole Ruhr zum Emscher Landschaftspark.

 

Fotos von der Preisverleihung und der ausgezeichneten Anlagen stehen von einer jeweiligen Auswahlsseite als Download zur Verfügung.

Pressemitteilungen zur Preisverleihung stehen hier zur Verfügung: Kurzversion; Langversion

 

Der Europäische Gartenpreis wird unterstützt durch: