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Museum Insel HombroichDer GartenDie Insel ist urweiblich. Die Insel duldet und wünscht Karl - Heinrich Müller Das Areal der Museumsinsel Hombroich, ein renaturierter Erftauenbereich, gestaltet als zeitgenössischer Park, symbolisiert durch die geschaffenen Dialoge zwischen Natur, Kunst und Kultur in beispielhafter Weise die Idee einer künstlerischen Kulturlandschaft. „Kunst parallel zur Natur“ – dieser Satz von Paul Cézanne scheint für die Insel geschaffen zu sein.
Die Museumsinsel Hombroich stellte sich im 17. Jahrhundert als eine urwüchsige Parklandschaft dar. In den Erftauen zwischen Neuss und Grevenbroich gelegen, mitten in altem Bauern- und Ackerland, präsentierte sie mit ihren Waldkulissen, Wiesen- und Wasserflächen einen vielfältigen Naturraum. Das Tal diente bereits über Tausende von Jahren dem Menschen als Lebensraum. Steinzeitliche Artefakte, römische Ruinen und mittelalterliche Erdkegelstümpfe, auch Motten genannt, die einst als Wohnhügel aufgeschüttet wurden, um den Sümpfen zu entfliehen, sind als Zeitzeugen noch gut ablesbar. Im Jahr 1820 entstand in diesem Umfeld erstmals eine geometrische Parkanlage, als die Wuppertaler Industriellenfamilie Hombroich dort einen Landsitz erwarb.
Die Gestaltung des alten Parks spiegelt einen streng axial gegliederten Entwurf wider, wobei die Achsen sich teilweise weit außerhalb, in der gewachsenen Landschaft, als Wirtschaftswege wiederfinden. Zahlreiche um das Gutshaus „Rosa Haus“ gepflanzte Bäume sind inzwischen zu stattlichen Exemplaren herangewachsen, darunter mehrere herrliche Blutbuchen, eine Gerichtseiche sowie eine 35 Meter hohe Sumpfzypresse mit einem Stammumfang von bis zu fünf Metern. Im Jahr 1984 wurde der romantisch verwilderte Park mit seiner 1816 erbauten Villa - die Insel - vom Düsseldorfer Kunstsammler Karl-Heinrich Müller mit der Absicht erworben, dort der Öffentlichkeit seine Kunstsammlung zu präsentieren und seine Lebensvision zu verwirklichen.
Zwischen 1984 und 1986 gestaltete der Landschaftsarchitekt Bernhard Korte das weitläufige Terrain an der Erft zu einem Park-, Auen- und Terrassengelände. Befestigte und unbefestigte Wege und Pfade durchziehen die ruhige Landschaft, Brücken und Stege führen über weitverzweigte Gewässer, sumpfiges Gelände und Feuchtwiesen – im Sommer üppig blühend, im Winter oft melancholisch nebelig. Stetige Veränderung und Wandlung ist das Wesen der Insel. Pflanzen dürfen sich ausbreiten. Neben Birken, Pappeln, Kopfweiden, Hainbuchen, Holunder, Weißdorn und Schilf behaupten sich Wildblumenwiesen und Rosen. An sumpfigen Stellen, Teichen und Tümpeln gedeihen Sumpfdotterblumen, Seggen, Froschlöffel, Schwertlilien, Mädesüß, Gemeiner Wolfstrapp, Flutender Hahnenfuß und Igelkolben – eine üppige Vegetation, die einmal die Braunkohle dieser Gegend aufbaute.
Rund um die ab 1982 zum Atelier im Stil eines masurischen Bauernhauses (Datscha) umgebaute Remise hat der Künstler Anatol Herzfeld einen Skulpturengarten mit eigenen Werken angelegt - einen Künstlergarten im Park. Anatol schuf rund um seine Werkstatt mehrere in Ringformationen aufgestellte Werkzyklen - einen Garten der Ringe - meditativ und mystisch zugleich. An der lang gestreckten Galerie mit den steinernen Skulpturen von Erwin Heerich verbindet eine Brücke über die Erft den zeitgenössischen Garten mit dem historischen Landschaftspark rund um das Rosa Haus. Ein wild wucherndes Paradies mit zeitgenössischer Kunst läßt sich hier entdecken. Im Wald, auf den Lichtungen und zwischen Rhododendren, Hortensien, weißblühenden Glyzinien, gelben Sumpfiris und uralten Eibenhecken stehen und liegen Skulpturen versteckt im Gras.
Der runde, verglaste Graubner-Pavillon mit seiner einmaligen Akustik lenkt den Blick über den verwachsenen formalen Garten mit seinen ehemals strengen Strukturen. Oberhalb des verträumten Waldteichs, durch steinerne Treppenstufen erreichbar, liegt das alte weiße Teehaus, ein schattiger Platz an heißen Tagen. Zwischen verwachsenen Eibenhecken und überwachsen von üppig blühenden Glyzinien liegt versteckt und flankiert von einer indischen Steingottheit, ein Wasserbecken - ein verträumter meditativer Ort. Der Bildhauer und Architekt Erwin Heerich schuf auf der Insel und im alten Park 11 Pavillons, die - selbst Kunst - andere Kunstwerke aufnehmen. Bei der Gestaltung der Pavillons hat sich Heerich an das Konzept von Schlichtheit und Einfachheit gehalten, sich aber gleichsam mit seinem Bauwerken in idealer und harmonischer Weise der niederrheinischen Auenlandschaft angepaßt. Die Architektur fügt sich harmonisch als begehbare Skulpturen in die Landschaft ein. Die wechselnden Jahreszeiten und der Sonnenstand sorgen für reizvolle, wechselnde Lichtspiele zwischen Natur und Architektur. Gleichzeitig ist jede Architektur auch ein Klangkörper für beeindruckende akustische Erfahrungen, was auch Musiker und Klangkünstler immer wieder zu musikalischen Experimenten inspiriert. Die Räume, aussen verfugter rauer Trümmerziegel und innen rein weis verputzt, treten über große Fenster oder die meist offenen Türen mit der Natur und dem Park in einen Dialog. In den Pavillons werden Werke von Cézanne, Rembrandt, Klimt, Arp, Graubner, Fautrier, Calder, Matisse, Tadeusz, Giacometti, Schwitters und Picabia gezeigt, daneben alte Khmer-Kunst sowie persische und chinesische Skulpturen.
Das Prinzip Hombroich besitzt eine ganz schlichte Philosophie. Sie geht aus von der individuellen Wahrnehmung der Besucher, die ohne jede geführte Didaktik ihre eigenen Eindrücke gewinnen sollen. Die „Insel“ gibt wenig vor, weder Wege noch Betrachtungsweisen. Voraussetzung bleibt allein die Freunde am Schönen und die Lust an der Entdeckung. Die Cafeteria, im Stil einer Orangerie mit viel Glas gebaut, ist das kommunikative Zentrum der Insel und bietet auf ihrer Terrasse sowohl sonnige als auch schattige Plätze. Hierhin zieht es magisch jeden Besucher nach der Erkundung der Insel. Die einfache regionale Küche ist im Eintrittspreis enthalten. Seit 2000 gibt es eine Förderstiftung für die Insel Hombroich. Die Stiftung veranstaltet u.a. öffentliche Werkstatttage für freiwillige Helfer, die Lust und Interesse haben, Park und Garten gemeinsam zu „beackern“. Seit 1995 ist auch die angrenzende Raketenstation im Besitz des Museum Insel Hombroich, mit Wohn- und Arbeitsräumen für Künstler, Literaten, Musiker und Wissenschaftler. Das neueste Projekt „Hombroich RaumOrtLabor“ soll, in Zusammenarbeit mit namhaften Architekten wie Raimund Abraham, Tadao Ando, Daniel Libeskind, Frei Otto und Alvaro Siza, eine neue Form der Stadtlandschaft etablieren. Die intensive Landwirtschaft vor den Toren von Neuss soll langfristig in eine naturnahe Landschaft mit extensiver Landwirtschaft und besonderen Architekturformen umgestaltet werden. Der Text wurde aus folgenden Quellen zusammengestellt: Rümler, Roland (2003): Die Museumsinsel Hombroich. In: Landschaftsverband Rheinland, Hrsg.: Gartenkultur im Rheinland. Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 60. S. 294 ff. Petersberg. Museum und Raketenstation, Stiftung Insel Hombroich, 1998. (Zitat Karl-Heinrich Müller) Simon, Axel (2006): Insel Hombroich – die Geschichte. tec21, 36/2005. Wang, Wilfried (2004): Kulturraum Hombroich. Weiterführende Literatur: von Behr, Karin; Nickig, Marion (2005): Insel Hombroich: Der Garten der Ringe. In: Künstlergärten in Deutschland. Ellert + Richter Verlag.
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