Haus Ripshorst im Emscher Landschaftspark
Haus Ripshorst
Zwischen Zechen, Hochöfen, Walzstrassen und den Verkehrsadern der Schwerindustrie hat sich über ein Jahrhundert lang ein kleines Idyll, ein Relikt der vorindustriellen Kulturlandschaft erhalten. Rund um Haus Ripshorst liegt eine ca. 40 Hektar grosse Fläche, die bis zuletzt inmitten der hochindustrialisierten Kernzone des Ruhrgebietes landwirtschaftlich genutzt wurde.
Über mehr als ein Jahrhundert befand sich die Fläche im Eigentum der Großindustrie bis Anfang der 1990er Jahre der damalige Kommunalverband Ruhrgebiet die Flächen erwerben und in den Emscher Landschaftspark integrieren konnte.
Als eines der ersten Projekte der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA 1989 – 1999) entstanden aus der ehemaligen Hofanlage Haus Ripshorst das Informationszentrum zum Emscher Landschaftspark mit einer multimedialen Ausstellung sowie der Gehölzgarten Ripshorst.

Die Informationen, die hier u.a. zum Thema Industrienatur angeboten werden, machen Haus Ripshorst zu einem idealen Ausgangspunkt für den Besuch der benachbarten Parks „Ruderalpark Frintrop“ und „Klärpark Läppkes Mühlenbach“.
Der Gehölzgarten Ripshorst entstand nach den Entwürfen der Landschaftsarchitekten Irene Lohhaus und Martin Diekmann aus Hannover. Ziel war es dabei, nicht einen gärtnerisch durchgestalteten Park zu entwickeln, sondern den Charakter der vorindustriellen Kulturlandschaft weitgehend zu erhalten. Aus Ackerflächen mit Gerste, Hafer oder Roggen wurde weitläufiges Grasland.
Ein ca. 60 Meter breites und rund zwei Kilometer langes Gehölzband, das die Entwicklungsgeschichte der Bäume von der Voreiszeit bis zu den kultivierten Nutzpflanzen veranschaulicht, folgt behutsam dem Verlauf des Siedlungsrandes und gibt den Besuchern die Gelegenheit, sich mit den Gehölzen, ihren Formen, Farben und Früchten, ihrer Herkunft und ihrer Bedeutung für den Menschen auseinander zu setzen.
Der Gehölzgarten wird durch einen Hauptweg erschlossen. Folgt man ihm von Westen nach Osten, so passiert man nacheinander folgende Bereiche:
Bereich I mit dem Tertiärwald, der die Gehölzartenvielfalt ( ca. 150 unterschiedliche Baum- und Straucharten ) in Mitteleuropa zur Zeit des Tertiärs zeigt.

Bereich II mit der Veranschaulichung der Pionierstadien von der Nacheiszeit bis zur Wiederbewaldung Mitteleuropas. Die hier angepflanzten Gehölze gelten noch heute als Pioniergehölze (Erstbesiedler) für die Begrünung von Extremstandorten, wie z.B. Bergehalden oder Brachflächen von Industrie und Gewerbe.

Bereich III mit den einzelnen Entwicklungsstadien bis zur nacheiszeitlichen Wiederbewaldung. Sie sind ein dynamischer Prozess, der je nach Standort- und Klimabedingungen mit einer bestimmten Endgesellschaft abschließt. Dargestellt werden hier die verschiedenen Waldentwicklungsstadien Mitteleuropas bis hin zur Endgesellschaft Buchenwald.
Bereich IV mit der Anpflanzung von Kulturgehölzen. Es sind Gehölze, die der Mensch durch Auslese und Züchtung, aber auch durch Importe aus anderen Ländern, zu seinem Nutzen kultiviert hat.
Auf einen Streifzug vom „Tertiär“ über die „Wiederbewaldung“ nach der Eiszeit bis hin zu den heutigen „Kulturgehölzen“ können im Gehölzgarten Ripshorst ausgefallene Baumschönheiten wie z.B. der Blauglockenbaum und der Tulpenbaum mit ihren auffälligen Blüten, der Amberbaum und der Waldtupelobaum mit der prächtigen Herbstfärbung, der Rote Schlangenhautahorn mit seiner interessanten Rinde oder der unterschiedliche Fruchtschmuck der Obstsorten und Zieräpfel kennen gelernt werden.
Eine kühne Brückenkonstruktion nach den Entwürfen von Professor Dr. Schlaich aus Stuttgart überspannt in einem Stahlrohrbogen den Rhein–Herne–Kanal und bindet den Gehölzgarten Ripshorst an den Emscherpark Radweg an.
Verlässt man den Gehölzgarten Ripshorst in südlicher Richtung, gelangt der Besucher über mehrere Zugänge an der Ripshorster Strasse in den “Ruderalpark Frintrop“.
Der Ruderalpark Frintrop ist einer von sechzehn verschiedenen Anschauungsorten der Route Industrienatur. Als Industrienatur wird die Pflanzen- und Tierwelt bezeichnet, die sich auf ehemaligen, hochindustriellen Standorten angesiedelt hat. Die industrielle Nutzung hat die Lebensbedingungen solcher Standorte grundlegend verändert. Die Vielfalt der Standorte reicht von wüstenartig anmutenden Schlackenfeldern bis zu üppigen, dschungelartig zugewachsenen Wäldern. Man findet farbenprächtige Blütenmeere und skurrile Einzelformen.

Als in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts der Rangierbahnhof Essen-Frintrop aufgegeben wurde, hatten Ladungsverluste der Güterwagen wie Kohle, Kalk und Eisenerz, vor allem aber die Schotter der Gleisanlagen den Boden und damit den Wasserhaushalt und das Kleinklima des 25 Hektar großen Geländes völlig verändert.
Es entwickelte sich die Vegetation ausgehend von widerstandsfähigen Pionierpflanzen, wie z.B. das Weidenröschen und das echte Labkraut über den Sommerflieder bis hin zu waldähnlichen Birkenbeständen in zahlreichen parallelen Streifen entlang der ehemaligen Bahngleise.
Nach den Entwürfen der Landschaftsarchitekten Davids, Terfrüchte und Partner aus Essen wurde das Areal behutsam erschlossen. Landschaftsarchitektonische Akzente verschmelzen mit Konturen ehemaliger Gleistrassen und der Dynamik der Natur (Sukzession).
Durch das weitläufige Wegenetz des Gehölzgartens Ripshorst wird das Gelände auch mit der östlich angrenzenden ehemaligen Kläranlage „Läppkes Mühlenbach“ der Emschergenossenschaft verbunden.

Einst eine technische Anlage im schnöden Charme der 1950er Jahre, erscheint heute das Gelände der Kläranlage nach der Umgestaltung durch die Landschaftsarchitekten Heimer und Herbstreit aus Bochum als öffentlicher Park. In dessen Mitte präsentiert sich das ehemalige Rundklärbecken als Seerosenteich mit einer typischen Ufervegetation. Japanische Zierkirschen markieren die Eingänge zum Klärpark und die Übergänge zum angrenzenden Gehölzgarten. Im Parkinnern betonen hainartig angepflanzte rotblühende Kastanien die Hauptplätze. Aus den Betriebsgebäuden wurde ein architektonisch ansprechendes Gebäudeensemble, in dem der Garten- und Landschaftsbauverband NRW seine Geschäftsstelle hat. Rundwege und Bänke laden zum Spazierengehen und zum Verweilen ein.
Der ehemalige Faulturm wurde zu einem Kunstwerk umgestaltet, das zusammen mit einer mystischen Klanginstallation eine gelungene Natur-Industrie-Interpretation darstellt.
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