Die Gärten von Trentham Estate

Eine ästhetische Symbiose aus historischer und zeitgenössischer Gartenkunst


Der Garten

Die Gärten von Trentham Estate, südwestlich von Stoke-on-Trent gelegen, bieten ein weites Spektrum unterschiedlicher Landschaftstypen: Sie reichen von den „Grand Italianate Parterres“ mit ihrem italienisch anmutenden Charakter bis zu zeitgenössischen Blumenwiesen, den „Floral Prairies“ und einem von „Capability“ Brown (1716 – 1783) gestalteten, länglichen See. In diesem einzigartigen historischen und zeitgenössischen Garten werden die Grundideen der historischen Anlage weiterentwickelt.

Trentham

Trentham Estate führt derzeit eines der größten städtebaulichen Erneuerungsprojekte in Großbritannien durch. Das Projektvolumen in Höhe von 100 Millionen Pfund ist vollständig aus privaten Mitteln der St. Modwen Properties und der deutschen Investoren Reitz finanziert. Trentham Estate ist eines der besten Beispiele in Europa, wie die Weiterentwicklung von Gärten zu einem außerordentlich erfolgreichen Erneuerungsprozess der Region beitragen kann.

Das Herzstück der Anlage, die formalen Italienischen Gärten, gehen ursprünglich auf den Entwurf von Sir Charles Barry (1795 – 1860) zurück. Sie sind umfassend restauriert worden und erhielten ihre neue Gestaltung vom britischen Gartenarchitekten Tom Stuart-Smith (*1960). Das vier Hektar große Gelände mit Springbrunnen, Fontainen und Topiari (Formschnittgehölze) zeigt sich heute als weiträumige zeitgenössische Anlage mit über 80.000 mehrjährigen Stauden und 100.000 Blumenzwiebeln, die jahreszeitliche Akzente setzen.

Trentham

Tom Stuart-Smith schreibt dazu:

“Im 10 acres großen unteren Blumengarten habe ich die Struktur von Barrys Garten aufrechterhalten, doch durch die Verdopplung der Fläche einen Charakter erzielt, der unterschiedlicher zum Original nicht sein kann. Anstatt ordentlich gepflanzter Stauden wachsen nun Massen von Riesenehrenpreis (veronicastrum), Wasserdost (eupatorium) und Sonnenhut (rudbeckia). Die gegensätzlichen Stile formen ein dramatisches Nebeneinander.

Ich habe Barrys Gartenentwurf von zwei Niveaus unterstrichen: Die Hauptbeete der Parterres und die großen Springbrunnen liegen zwei Fuß unterhalb der zentralen Wege.

Im oberen Niveau wurden neue, mit Buchsbaum eingefasste Beete hinzugefügt und der Boden - bis auf Zugaben von Sand und Kies - nicht verbessert. Die intensive Entwässerung begünstig eine Reihe mediterraner Pflanzen, die sich wie ein Teppich durch den Garten ziehen. Mehr als 130 Schwertlilienarten erzeugen eine wahre Farbexplosion, die den Garten im Juni zum Leuchten bringt, bevor sie dann von Salbei, Witwenblumen (Knautia) und Wolfsmilch (Euphorbia) abgelöst werden.

Das untere Niveau ist naturgemäß feuchter und wir haben dies noch betont, indem wir dem Boden Dung und Kompost beigaben. Die Bepflanzung schoss nur so aus dem Boden und blieb bis weit in den Winter. Es ist ein herrlicher Anblick, wenn über 80.000 mehrjährige Stauden blühen was das Zeug hält.

Über das gesamte Parterre habe ich ein Netz aus hohen Gräsern gepflanzt, das, wenn es eingewachsen ist, wie ein Geflecht aus knorrigen Wurzeln wirken wird. So bildet es ein Spiegelbild des River Trent und seiner Nebenflüsse, die netzartig durch den Garten fließen.

Dieses dominierende Parterre wird durch zwei Gartenbereiche flankiert, die von Piet Oudolf gestaltet wurden. Die subtile Färbung und die meisterliche Textur des Gesamtentwurfs sind seine Markenzeichen. Noch beeindruckender ist die neue Bepflanzung am Haupteingang. Sie bildet den perfekten Gegenpol zur extremen Formalität des Viktorianischen Gartens.“

Trentham

Im Osten des Gartens und entlang des Flusses Trent hat der niederländische Designer Piet Oudolf (*1945) einen bemerkenswerten neuen Garten angelegt. Auf drei Hektar schuf er eine außergewöhnliche Blumenwiese sowie weite wechselfeuchte Bereiche, die er mit 60.000 mehrjährigen Stauden und Gräsern bepflanzte. 2007 wurde die Anlage fertig gestellt und hat sich seitdem gut entwickelt.

Tom Stuart-Smith schreibt weiter:

„Am See befindet sich, abhängig von zeitweiser Überflutung, eine Feuchtwiese mit ineinander verflochtenen Arten von zwei sehr kontrastierenden Moorgräsern – Pfeifengras (Molinia subsp. caerulea ‘Edith Dudszus’) und die größere ‚Heidebraut’, dazwischen Flecken von hellfarbigen Wiesenpflanzen wie Knöterich (Persicaria bistorta ‘Superba’), Prachtspieren (Astilbe chinensis ‘Vision in Pink’) und Schwertlilien (Iris ensata).

Die wechselfeuchte Wiese geht in eine weitere Wiese mit mehrjährigen Stauden über. Oudolf schreibt dazu: “Sie sind gemustert wie der Nacken einer Giraffe”. Rasenflächen dienen der Erholung und dem Picknick. Alles in Allem eine verführerische, freischwebende Komposition, die ganz anders ist als Alles, was Piet Oudolf bisher in diesem Land geschaffen hat.“

Trentham

Michael Walker, Gartenmanager von Trentham Estate, schreibt:

„Piet Oudolf und Tom Stuart-Smith haben gemeinsam eine Gartenanlage geschaffen, die den Fortschritt des zeitgenössischen Designs und außerordentlich gute Pflanzstrukturen illustrieren. Ich bin überzeugt, dass diese Partnerschaft in Zukunft Kultcharakter haben wird.“

Andere Gartenbereiche präsentieren zwölf miteinander verbundene Schaugärten, die aktuelle gartenbauliche Ideen demonstrieren. Manche von ihnen wurden in Zusammenarbeit mit lokalen Schulen und Gruppen entworfen. Ein „Field of Hope“ mit 60.000 Narzissen sowie über 162 Hektar Wald mit Naturpfaden und zwei versteckt liegenden Vogelbeobachtungsstationen laden zur Erkundung ein.

Großbritanniens erster „Barfußpfad“ lädt die Besucher ein, barfuss auf verschiedenen Oberflächen zu laufen. Seit Ostern 2008 stellt das Gartenlabyrinth eine weitere Attraktion dar.

Im Verlaufe des Jahres 2008 entstanden eine weitere Anlage mit David Austin Rosen und ein Garten mit essbaren Blumen.

Die Gärten von Trentham Estate entwickeln sich ständig weiter. Ein neuer Tearoom ist für Anfang 2009 geplant, der u.a. auch Skulpturen dauerhaft Raum geben wird. Zudem gibt es schon Pläne für die Landschaftsgestaltung der westlichen Gärten, die zwischen 2009 und 2012 umgesetzt werden sollen.