Palaisgarten Detmold
Der Garten
Der Palaisgarten in Detmold zählt zu den herausragenden historischen Parkanlagen in Ostwestfalen-Lippe. Der etwa 7,5 ha große Park im Stile eines englischen Landschaftsparks repräsentiert mit seinen erhaltenen und erkennbar gebliebenen Ausstattungselementen die Entwicklung und den Wandel der gartenkünstlerischen Gestaltung über einen Zeitraum von über 300 Jahren. Er gehörte zu dem in den Jahren 1706 – 1718 errichteten, damals vor den Toren der Stadt liegenden Lustschlösschen des Grafen Friedrich Adolph zur Lippe. Dieser schenkte es seiner zweiten Gemahlin Gräfin Amalia von Solms als Witwensitz.

Bei dem so genannten, etwa 2,4 ha großen „Burggarten“ handelte es sich um einen intimen, von einer hohen Mauer umgebenen „hortus conclusus“ („geschlossener Garten“). Dieser terrassierte Barockgarten war durch ein achsiales Wegenetz gegliedert und in unmittelbarer Hausnähe mit einem quadratischen Broderieparterre und einem runden Fontänebecken ausgestattet. Daran schlossen sich regelmäßig aufgeteilte Pflanzbeete und Quartiere zum Anbau von Gemüse und Obst an. Die überschüssigen Erzeugnisse des Gartens verkaufte man auch auf dem Detmolder Wochenmarkt.
Südlich vom ummauerten Barockgarten, im bewaldeten Gelände des Büchenbergs, begann man 1746 mit der Errichtung eines umzäunten Tiergartens.
Sichtbare Zeugnisse der Entstehungszeit sind die umlaufende, hohe Bruchsteinmauer im Norden und Osten, Reste der südlichen Außenmauer im Bereich der „Kleinen Kaskade“ und der „Steinerne Tisch“, eine mehr als fünf Tonnen schwere Tischplatte, die ursprünglich als Trittplatte vor dem Gartenportal des barocken Lustschlösschens gelegen hatte.

Leopold III. (1821 – 1875) wählte das Palais zum dauerhaften Wohnsitz und veranlasste 1851 die Umgestaltung des barocken Gartens in einen Landschaftspark. Seit der Fertigstellung im Jahre 1854 wird die Anlage als „Palaisgarten“ bezeichnet. Unter Einbeziehung von Teilbereichen des Tiergartens wurden weite und abwechslungsreich gestaltete Wiesenräume geschaffen und mit fremdländischen Gehölzen bepflanzt. Unter den zahlreichen dendrologisch interessanten Laub- und Nadelgehölzen ragen besonders verschiedene Blut- und Hängebuchen, Walnuss- und Schwarznussbäume, Tulpenbäume sowie Zedern, Sicheltannen, Sumpfzypressen und zwei Mammutbäume heraus. Letztere brachte Leopold III. 1858 von einer Italienreise mit. Mehrere auffällige Baumrondelle aus Eichen und Ahornen betonen bestimmte Bereiche. Die markanteste Baumgruppe findet sich im Südwesten, nämlich die „12 Apostel“, ein Rondell aus alten Linden, von denen elf Exemplare kreisförmig um eine Linde im Zentrum angeordnet wurden. Von diesem idyllischen Flecken aus blickt der Besucher auf das umgebende Lippische Bergland oder den Park mit dem riesigen Mammutbaum am Schwanenteich.

Die Wasserkünste sind seit ihrer Entstehung in den Jahren 1851 - 58 eine der wichtigsten Attraktionen. Dazu gehören das ovale Bassin mit der großen Fontäne und die aus mächtigen Steinblöcken gemauerte „Kleine“ und „Große Kaskade“. Mit figürlichem Schmuck sind Froschfontäne, der Delphinbrunnen und der Schwanenteich ausgestattet.
Die schönste Jahreszeit im Park ist der Sommer, wenn die Wasserkünste den Besucher mit ihren Fontänen und Brunnen erfreuen. Aber auch im Winter stellt der Park einen besonderen Anziehungspunkt dar; denn dann nutzen die Kinder aus der Umgebung den Papenberg als Rodelhang.
Das 1855 errichtete Maschinenhaus vor dem südlichen Parkeingang pumpt das Wasser aus dem Kanal zu einem Hochbehälter oberhalb des Palaisgartens, von wo aus es mit natürlichem Druck die Wasserspiele versorgt. Rechts vom Maschinenhaus befindet sich, vor den Blicken des Besuchers etwas verborgen, ein klassizistisches Sandsteinportal von 1836, das früher den Eingang zum Bergkeller bildete, der zur Lagerung von Eis diente.
Nach der Abdankung Leopold IV. im Jahre 1918 ging das „Neue Palais“ in das Eigentum des neu gegründeten Landes Lippe über und der Garten wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach der zwischenzeitlichen Nutzung des Gebäudes als Museum hat nach dem zweiten Weltkrieg die Hochschule für Musik ihren Lehrbetrieb dort aufgenommen.
Im Südteil des Parks wurde 1965/68 das schwarz verschieferte Chor- und Orchestergebäude der Hochschule für Musik errichtet. Die gärtnerische Neugestaltung wurde nach Plänen des prominenten Gartenarchitekten Prof. Hermann Mattern ausgeführt.
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