Die Gärten von Gunnebo


Der Garten

Der Architekt Carl Wilhelm Carlberg (1746 – 1814) plante Schloss Gunnebo mit seinen Gärten als vollständig durchkonzipiertes Ensemble. Der formale Garten verbindet die bebauten Bereiche mit der umgebenden Landschaft. Die Gartenarchitektur ist im klassischen Stil auf Achsen und Symmetrie ausgerichtet. Eine markante Hauptachse führt durch die zentral gelegene Schlossanlage nach Norden und Süden in die umgebende Landschaft. Entlang dieser Linie sind alle dekorativen Elemente symmetrisch angeordnet.

Gunnebo

Der formale Garten hat seinen authentischen Grundriss bewahrt und viele dekorative und bauliche Elemente sind in den letzten beiden Jahrzehnten wiederhergestellt worden. Ornamental verzierte Gefäße, Pflanzen, Zäune, Mobiliar etc. sind in C. W. Carlbergs Originaldesign aus dem 18. Jahrhundert wiederentstanden.

Der nördliche Garten ist üppig mit kegelförmig beschnittenen Hainbuchen und Lindenhecken geschmückt. Ein terrassierter Garten führt hinauf zum zentral gelegenen Schloss.

Den westlichen Garten bildet eine restaurierte Terrasse direkt neben dem Schloss. Um die Terrasse herum befinden sich Wiesen und einige alte Eichenbäume.

Gunnebo

Der südliche Garten öffnet sich zur umgebenden Landschaft und bietet prächtige Ausblicke. Er besteht aus einem Blumen-Parterre, Bosketten, einem Boulingrin (vertiefes Rasenpaterre) und endet in einem Teich mit Springbrunnen. Der südliche Garten ist mit Lindenalleen begrenzt, deren Bäume bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. An der Ostseite des südlichen formalen Gartens befand sich die verschwundene Orangerie, die zurzeit rekonstruiert wird.

Der östliche Garten verbindet das Schloss mit den formalen Gärten an den Seitenflügeln und den Nutzgärten. Er beinhaltet einen „giardino segreto“ - ein ummauerter Geheimgarten - direkt rechts neben dem Haus und ein Parterre mit kegelförmig beschnittenen Hainbuchen.

Gunnebo

Östlich des Schlosses und der formalen Gärten liegen die Küchengärten. Sie wurden ebenfalls im späten 18. Jahrhundert vom Architekten Carl Wilhelm Carlberg als Teil des Landgutes angelegt. Der Architekt bezog den alten Küchengarten, der höchstwahrscheinlich schon vorher existierte, in sein neues glanzvolles Gartenkonzept mit ein. Er wurde noch bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts für den Gemüseanbau genutzt. 1996 erfuhr er eine originalgetreue Neuanlage nach Carlbergs Konzept.

Im alten Küchengarten gedeihen heute verschiedenste Kräuter und Obstspalierbäume genauso wie Spargel und Rhabarber. Eine zusätzliche Attraktion bildet der Schnittblumengarten. Die Küchengärten stehen in engem Zusammenhang mit dem Gunnebo-Restaurant, das in ihrer Mitte platziert ist. Alle Gartenprodukte finden je nach Jahreszeit Verwendung im Restaurant.

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Der neue Küchengarten befindet sich unterhalb des Treibhauses, etwas weiter östlich vom Schloss. Auch er war seit dem späten 18. Jahrhundert bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Ursprünglich stellt er eine Erweiterung des Carlbergschen Küchengartens dar. Der neue Küchengarten wurde zwischen 2004 – 2005 rekonstruiert. Hier gedeiht eine Fülle von vielerlei Gemüsesorten, die im Restaurant Verwendung finden. Traditionelle Sorten und solche, die sich gut für biologischen Anbau eignen, haben Vorrang. So erscheint der Küchengarten ganz im Licht eines schwedischen Küchengartens aus dem 18. Jahrhundert.

Das Treibhaus wurde 1996–1998 im Bereich der Treibhausterrasse wiederaufgebaut. Da Carlbergs ursprüngliche Entwürfe verlorengegangen waren, zog man andere Quellen, wie Gemälde und andere Gewächshäuser des 18. Jahrhunderts als Vorbild heran. Wichtige Informationen ergab darüber hinaus eine an Ort und Stelle durchgeführte archäologische Grabung.

Im Spätwinter und im Frühling stellt das Treibhaus das Herz der Gärten dar. Mit der Vermehrung der Pflanzen nimmt der Küchengarten hier seinen Ursprung. Das Treibhaus dient auch als Orangerie für die exotischen Arten während der kalten Wintersaison. Im Sommer tragen die exotischen Pflanzen zum Schmuck des formalen Gartens bei.

Der Architekt Carl Wilhelm Carlberg plante Gunnebo als vollständig durchkonzipiertes Ensemble mit einem engen Zusammenspiel von Gärten, Gebäuden und Landschaften. Das Landgut ist ein schwedisches Beispiel für eine „ferme ornée“ oder „Ornamentalfarm“. Hier verbinden sich praktische Nutzung und Schönheit auf natürliche Weise. Der Nutzaspekt wird nicht versteckt, sondern bildet einen Teil des Erlebnisses für die wohlhabenden Besitzer und ihre hohen Gäste. Der Landschaftspark war Ausdruck der im 18. Jahrhundert aufkommenden Naturromantik und des in dieser Zeit aufkommenden Interesses an der Natur. Landschaftsgärten bildeten die bedeutendste Stilrichtung während des 18. Jahrhunderts und einen Gartentypus, der im Gegensatz zu den formalen Gärten stärker von der Natur beeinflusst war.

Der Landschaftsgarten von Gunnebo besaß serpentinenartig verlaufende Wege, herrliche Perspektiven, faszinierendes und gartenbaulich interessantes Pflanzenmaterial und schöne Aussichtspunkte auf Seen und Felder im Umfeld. Die Einsiedelei, der Tempel und die Orangerie waren im englischen Landschaftsgarten ebenso Teil der malerischen Szenerie wie die ackerbaulich genutzten Felder. Der englische Landschaftsgarten hat sich seit dem 18. Jh. bis heute beträchtlich verändert. Die thematisch ausgerichteten Gartenbauten und ein großer Teil des gartenbaulichen Pflanzenbestandes sind verschwunden. Allerdings sind einige Bäume zu eindrucksvollen Einzelexemplaren herangewachsen. Von 2000-2010 durchgeführte Forschungen und archäologische Untersuchungen trugen zur Erweiterung der Wissensgrundlagen über den Landschaftspark Gunnebo bei und ermöglichen eine künftige Restaurierung in einem authentischeren, mehr dem 18. Jahrhundert entsprechenden Stil unter Einbeziehung des Englischen Hügels (Apollos Hügel), Floras Hügel, dem Einsiedlerwald und dem Orangeriehügel.