Die Gärten von Hestercombe Gardens


Der Garten

Hestercombe beherbergt drei sehr verschiedene Gärten: einen Landschaftsgarten aus dem 18. Jahrhundert, einen viktorianischen Garten aus dem 19. Jahrhundert und den formalen Garten, der von Edwin Lutyens und Gertrude Jekyll gestaltet wurde, ein unschätzbares Beispiel der Gartenkunst des frühen 20. Jahrhunderts.

Hestercombe Gardens

Bampfylde’s Secret Landscape Garden – Ein Garten aus dem 18. Jahrhundert

Coplestone Warre Bampfylde (1720 – 1791), Landedelmann, Architekt und Amateurmaler schuf in den 1750er Jahren einen Landschaftsgarten in der Talmulde hinter seinem Haus. Der Garten war im ganzen Land bekannt für seine geschwungenen Wege durch die Natur, seine vier angelegten Seen und seinen künstlichen Wasserfall. Bampfylde schmückte seinen Garten auch mit einigen dekorativen Architekturstaffagen. Diese Bauwerke sollten den Anschein eines bestimmten Gebäudes, zum Beispiel eines Tempels, haben, hatten aber keine andere Funktion als die, die Besucher in die Phantasielandschaft von Hestercombe zu versetzen. Jahrelang schwelgten Besucher in der 18. Jahrhundert-Version eines modernen Themenparks, in dem künstliche Landschaftsgestaltung und natürliche Lebewesen das Gegenstück moderner Achterbahnen und kostümierter Figuren bildeten.

Hestercombe Gardens

Leider waren mit der Vernachlässigung über die Jahrhunderte und der Pflanzung eines immergrünen Waldes diese Gärten für lange Zeit verloren gegangen. Jedoch ist Bampfyldes Landschaftsgarten im Laufe der letzten zehn Jahre in seiner früheren Pracht wiederhergestellt worden. Nach 125 Jahren wurden die Gärten 1997 erstmalig wiedereröffnet und laden den Besucher ein, auf über 14 Hektar Seen, Tempel und bewaldeten Wege zu entdecken.

Nun stürzt sich die „Great Cascade“, Bampfyldes künstlicher Wasserfall, nachdem er jahrelang ausgetrocknet war, wieder tosend in ein Wasserbecken. Die Wege, befreit von Gestrüpp, schlängeln sich um den See und an den Rändern der bewaldeten Talmulde hinauf.

Bampfyldes ursprüngliche Idee war es, die Besucher in den Wald eintauchen zu lassen, in dem Sichtfenster ausgespart waren, die attraktive Blicke in die Landschaft eröffneten. Das Restaurationsteam investierte viel Arbeit, um dieses Anliegen auch in den heutigen Gärten erneut umzusetzen. Während des Sommers bieten die Fenster des Parks reizvolle Blicke, aber im Winter wird durch die lichteren Bäume eine noch spektakulärere Wirkung erzielt.

Die Gartenarchitekturen sind an ihren ursprünglichen Standorten wiederaufgebaut und nach den Blickachsen ausgerichtet worden. Die kreative Gestaltung und Namensgebung inspirieren die Fantasie von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen: der Gotische Alkoven, das Hexenhaus, das Mausoleum und die Tempel-Laube können allesamt erkundet werden.

Hestercombe Gardens

Lutyen’s & Jekyll’s Formal Edwardian Garden – ein Garten des 20. Jahrhunderts

Ein zufälliges Treffen zwischen dem Architekten Edwin Lutyens und Gertrude Jekyll im Jahre 1889 führte zur berühmtesten Partnerschaft in der Gartengeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Lutyens war ein junger Architekt mit geringer Bildung, aber mit großer künstlerischer Leidenschaft und feinem Gespür. Jekyll war Malerin, Schmiedin und Stickerin, die sich der Gartengestaltung zugewandt hatte, weil ihre fortschreitende Kurzsichtigkeit eine Arbeit in diesen Handwerken zunehmend erschwerte. Die kreative Kombination von Lutyens’ markanter Architektur und Jekylls kühner Gartengestaltung brachte einige der begehrtesten Gesamtkunstwerke von Haus und Garten in Großbritannien, Europa und Nordamerika hervor.

Ein Markenzeichen Jekylls war der Einsatz von gleichzeitig blühenden Blumen mit kräftigen, leuchtenden Farben sowie von stark duftenden Arten, was wahrscheinlich auf den allmählichen Verlust ihrer Sehkraft zurückzuführen ist. Ihre Gartenentwürfe wurde stark nachgefragt und ein Lutyens-Jekyll Garten galt als die angesagteste Form der Gartengestaltung.

Hestercombe Gardens

Hestercombes formaler Garten ist mit seinen 1,5 Hektar eines der schönsten erhaltenen Beispiele dieser künstlerischen Partnerschaft. Er wurde seit den 1980er Jahren restauriert. Die Grundlage bildeten Jekylls Original-Aufzeichnungen, die man als angeheftete Notizen in einem Gartenhäuschen gefunden hat. Die Orangerie gilt als die schönste, die von Lutyens geschaffen wurde und noch erhalten ist. Sie wird heute noch zur Überwinterung der Orangenbäume genutzt.

Der Edwardianische Garten bietet einen deutlichen Kontrast zur Robustheit des Landschaftsgartens. Rasen und Blumenbeete vermischen sich mit den kontrastierenden Farben von grauem, leicht rosa Schiefer und der warmen Sandfarbe des Hamstone (lokaler Kalkstein). Üppige Pflanzen hängen an den Mauern herunter oder klettern an ihnen hinauf und schaffen das romantische Gefühl eines „geheimen Plätzchens“. In den Spalten der Steinstufen wachsen Gänseblümchen. Sie geben dem Ganzen eine frische und fröhliche Farbprise. Überall im Garten findet man diese Nester von Gänseblümchen, die förmlich aus Mauern und dem Steinwerk sprudeln.

Das Mittelstück ist ein versunkener Garten, in dem weite Grasflächen und leuchtende Blumenbeete voller duftender Lilien, Rosen, Pfingstrosen und Rittersporn durch Wege aus Schiefer gegliedert werden.

Das Mittelstück wird von zwei höher liegenden Wasserläufen flankiert, den “Rinnsal-Terrassen”. Das Geräusch des ständig tropfenden Wassers verleiht dem Garten einen frischen und lebendigen, aber auch meditativen Charakter. Die unterschiedlichen Pflanzungen auf den beiden Terrassenseiten sind ein Genuss für Pflanzenliebhaber. Auf der einen Seite finden sich Schleierkraut, scharlachroter Mohn, Astern, Lavendel, Disteln, Zwerg-Fackellilien und Iris und auf der anderen weiße Lilien, orange Lilien, alte Rosen, Rittersporn, Glockenblumen und Fingerhut. Die Einfassungen sind mit Porzellanblümchen, Nelken, Steinbrech und Funkien auf der einen und mit Bergenien auf der anderen Seite gestaltet. Die kleinen Kanäle der Rinnsal-Terrassen sind Heimat für Vergissmeinnicht, Froschlöffel, Calla und Pfeilkraut.

Hestercombe Gardens

Die Viktorianische Terrasse – ein Garten aus dem 19. Jahrhundert

Die Viktorianische Terrasse umfasst zwei getrennte Bereiche. Die formale Terrasse wurde im Süden von Hestercombe House angelegt und kann als eine klassische Zusammenstellung von Beeten im Stil viktorianischer Parks und Gärten gelten. Der mit Eibenhecken bestandene Weg ist heute ein weiteres typisches Merkmal dieses Gartens. Nach der Restaurierung ist auch dieser Teil des Gartens wieder geöffnet.