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Staatspark KarlsaueDer GartenDie Anlage in der Fuldaaue entstand seit dem 16. Jahrhundert als fürstlicher Garten unterhalb des Residenzschlosses der Landgrafen von Hessen-Kassel. Der erste kleine Renaissancegarten, die „Moritzaue“, mit regelmäßiger Aufteilung, Laubengängen und einem Lusthaus befand sich an der Stelle des heutigen Sportfeldes, der 1926 eröffneten „Hessenkampfbahn.“
Die 1702 bis 1711 südwestlich davon in anspruchsvoller Architektur errichtete Orangerie diente zur Unterbringung frostempfindlicher Pflanzen und im Sommer als zeitweiliger Aufenthaltsort des fürstlichen Hofes. Heute finden sich hier das „Astronomisch-physikalische Kabinett“ der staatlichen Museen sowie Gastronomie. Vor dem Orangeriegebäude, von dessen Terrasse der Park gut zu überblicken ist, erstreckt sich die „Karlswiese“, das frühere Bowlinggreen, das zur Bundesgartenschau von 1981 in nicht unumstrittener Weise rebarockisiert wurde. Seitdem rahmen höher gelegene Heckenkabinette hinter Balustraden die große kleeblattförmige und gern genutzte Rasenfläche an zwei Seiten. Von diesem Bowlinggreen strahlen die mittlere Hauptallee und die beiden ebenfalls von Eichenalleen gesäumten Kanäle des an die früheren Jagdvergnügen erinnernden „Hirschgrabens“ im Südwesten sowie des „Küchengrabens“ auf der anderen Seite aus. Letzterer hat im hinteren Teil des Parks noch seine barocke Form und ist mit der Wasserfläche um die Insel „Siebenbergen“ verbunden. Barock mit vielen gleichförmigen halbkreisförmigen Ausbuchtungen ist auch noch das „Große Bassin“, das 6000 qm einnimmt. Der regelmäßige Umriss ist allerdings bei der landschaftlichen Umformung des Geländes um 1800 durch die Bepflanzung des Ufers mit typischen Ufergehölzen wie Weiden, Erlen oder Pappeln überspielt worden. Auf der „Schwaneninsel“ im Bassin bildet der dortige Pavillon einen besonderen Blickfang.
Die Parkbereiche zwischen den barocken Grundstrukturen werden von der Umgestaltung zum Landschaftspark seit dem späten 18. Jahrhundert geprägt. Dabei verschwanden die meisten der charakteristischen Bestandteile, die 1728 von einem Zeitgenossen beschrieben wurden: „Hier und da hat man hohe und artig aufgebaute Schneckenberge von allerley Gattung, runde, achteckende, viereckende und insonderheit einen an dem Ende der Aue, welcher aus sieben Bergen simetrisch gesetzet, und mit gezogenen Hecken und Fichten gezieheret.“ An einigen Stellen finden sich noch Reste des älteren Zustandes, so etwa bei dem ansatzweise wiederhergestellten „Chineser“, einer oval umpflanzten Lichtung inmitten eines dichten waldartigen Baumbestands jüngerer Zeit oder die großen kreisförmig bepflanzten Bereiche des „Lindenrondells“ und des „Reitzirkels.“ Der heute sichtbare Landschaftspark geht im wesentlichen auf den ab 1822 über 40 Jahre verantwortlichen Hofgartendirektor Wilhelm Hentze (1793 – 1874) zurück. Dieser schuf wechselnde Gartenräume und Landschaftsbilder durch abgrenzende Randbepflanzungen mit wenigen gezielten Durchblicken auf bestimmte Punkte. Die Wiesenflächen sind mit einer großen Vielfalt von Solitärgehölzen und Baumgruppen wie Eichen, Blutbuchen, Platanen und Linden besetzt und sorgfältig mit kontrastierendem Nadelgehölz abgestimmt. Geschwungen geführte Wege, von ausgesuchten Bäumen begleitet, verbinden die einzelnen Bereiche.
Besondere Aufmerksamkeit und Mühe wandte Hentze der 2,5 Hektar großen Insel „Siebenbergen“ zu, die er zu einem „botanischen Raritätenkabinett“ machte, das bis heute erhalten und ergänzt worden ist. Sein Anliegen, „eine vaterländische Flora daselbst zu schaffen, indem er eine große Anzahl interessanter und sogar seltener Gewächse“ in möglichst weitgehender Angleichung an den natürlichen Standort versammelte, lässt sich auf drei Rundwegen nachvollziehen. Das Kennenlernen der breiten Vielfalt von besonderen und seltenen Bäumen, Sträuchern, Stauden und Blumen erleichtert ein Pflanzenführer. An den Gartendirektor Hentze erinnert ein Denkmal am Nordhang der Insel. Nördlich des Parks liegt am Steilhang zur barocken Oberneustadt der „Rosenhang“, der durch Geländemodellierung des hier nach 1945 abgelagerten Trümmerschutts von Hermann Mattern (1902 – 1971) für die erste in Kassel veranstaltete Bundesgartenschau 1955 als Terrassengarten mit Rosen und Stauden angelegt wurde. Oberhalb verläuft bis fast zum „Frühstückstempel“ von 1815 die Straße „Schöne Aussicht“, die früher „Bellevue“ hieß, die bis zur Kriegszerstörung als eine der schönsten Wohnstraßen Europas galt. Hier wohnten im 19. Jahrhundert zeitweilig auch die Brüder Grimm.
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